Clickertraining Allgemein


Das Foto habe ich im Internet gefunden, wenn Ihnen die Hand oder der Clicker gehört, schreiben Sie mich bitte an, dann entferne ich das Bild

Clickertraining hat mein Leben und das meiner Hunde total verändert !

 

Wenn ich Du wäre, würde ich jetzt wegsurfen und sagen: „Bähhhh, schon wieder eine Sekte !“ J

Keine Angst, ein Guru bin ich nicht, fände ich aber als Berufsbild durchaus okay. Ich sage Dir wie Du Deinen Hund erziehst und Du überweist mir 10% Deiner Einkünfte (SchülerInnen dürfen deswegen nicht mitmachen). Wir tragen alle rote T-Shirts, scheren uns die Haare und sind so soooo happy....! Cool.
Aber Spaß beiseite. 

An dieser Stelle findest Du keine Anleitung wie das clickern funktioniert und wie man am besten beginnt. Das können andere viel besser schriftlich fixieren als ich und haben es auch schon Dutzendfach getan. Mittlerweile gibt es wunderbare Seiten im Internet, Newsgroups, Bücher und sogar Videos. Gib doch einfach mal „Clicker“ oder „Clickertraining“ in eine Suchmaschine ein. Ich staune immer wieder, zwischenzeitlich werden außer Katzen und Hunden, Meerschweinchen, Minischweine, Papageien, Hasen und was weiß ich noch für Tierarten geclickert. Bei Zootieren ist diese Möglichkeit der Kommunikation schon lange bewährt. Eine Raubkatze die zum behandeln durch den Tierarzt ans Gitter kommt, ist doch viel bequemer und stressfreier als ein Betäubungspfeil.

Ganz anders als zu der Zeit, in der ich begann mit dem Clicker zu arbeiten. Es gab noch kein Buch und kein Video (zumindest kein deutschsprachiges) und alle Infos holte ich mir aus dem Internet.

Letztendlich will ich mir aber die Chance nicht verbauen, dass Du ein Seminar oder Kurs bei uns besuchst um Dich selber zu überzeugen wie gut Clickertraining auch bei deinem Haustier funktioniert J ! Vor allem haben wir aber Spaß bei diesen Kursen, denn durch meine Hunde habe ich gelernt, dass (auch) MENSCHEN, wenn sie sich wohl fühlen viel besser lernen. Darum gibt’s auch immer Kaffee und Kuchen.....UMSONST J ! 

Wenn man Lenas Geschichte liest ist Fakt, dass wir große Probleme hatten. Mir war völlig unverständlich warum manche Menschen so extrem arbeitsfreudige, folgsame Hunde hatten und mein Eigner so widerborstig war.  Alles auf die Rasse bzw. Rassemischung zu schieben fand ich damals doof und heute weiß ich, dass es nebensächlich ist welche Rasse mein Hund angehört oder wie alt er ist. Jeder Hund lernt. Damals hatten wir einfach ein Kommunikationsproblem und zwar ein GEWALTIGES ! Schuld war wie immer ich.....

Ich dachte an bestimmte Kommandos (heute benutze ich lieber das Wort Signal statt Kommando) und erwartete dass der Hund sie umgehend ausführte. Natürlich tat er das nicht. Also unterstellte ich ihm Sturheit, Dummheit, Undankbarkeit und Trotz. Das mein Hund einen meiner Befehle vielleicht ÜBERHAUPT noch gar nicht gelernt hatte, daran verschwendete ich keinen einzigen Gedanken.
Warum auch, denn wenn ich 20 Mal das Kommando „sitz“ gab und es klappte 5 Mal dann ging ich davon aus, der Hund weiß genau was er soll, er mag nur nicht. 

Dass man aber generalisieren muss, d.h. in Übungseinheiten den Hund an den unterschiedlichsten Orten sitzen lassen mit steigendem Schwierigkeitsgrad (also von gar keiner Ablenkung bis hin zu starker Ablenkung. Von 1 Sekunde sitzen bleiben bis hin zu ein paar Minuten), das wusste ich nicht. Heute weiß ich, dass mein Hund einfach geraten hat (dadurch die 5 erfolgreichen Versuche). Die wurden aber nicht überschwänglich von mir belohnt (es gab bloss streicheln –wie doof-); schließlich ist es ja wohl NORMAL dass der Hund macht was ich sage und so festigte sich das „sitz“ machen kein bisschen. Vielmehr muss das Leben für Lena damals zum Ratespiel geworden sein. Rate ich richtig – passiert mir nichts. Rate ich falsch – bekomme ich schimpfe und werde womöglich gedrückt oder geschoben.

Entschuldigung, aber was für ein besch...... Leben ! 

Nachdem ich durch das Internet schon geprägt war und ständig mehr Infos fand, über gewaltfreie Hundeerziehung, stieß ich im Yorkie Forum auf die Sparte Clickertraining, die damals wie heute von Dr. Martin Pietralla betreut wird. Eine Meldung erzürnte mich besonders, da schrieb eine Anke (bitte unsere Kennenlerngeschichte unter dem Button „Für Mecki“ nachlesen) in etwa:

„Ja geschafft ! Endlich kann mein Hund Rico rückwärts robben!“

Ich handelte schnell und zauberte eine Meldung ins Board in der ich die Autorin hart anging. WARUM bitte soll ein Hund rückwärts robben, wozu ist das gut und den tierschutzrechtlichen Aspekt mal außen vorgelassen, ist das überhaupt gesund für den Körper ? 
Ich muss dazu sagen, dass ich mir damals nicht mal die Clickerregeln durchgelesen hatte. Schließlich wollte ich ja nicht mehr jede „Methode“ ausprobieren, ich war geprägt durch die Erfahrungen die ich mit Hunde werfen, rucken & Co. gemacht hatte. Ich wusste also gar nicht worum es beim clickern eigentlich ging. Ich bin ein Schnell-Schießer....ich gebe es zu.

Heute weiß ich, wären die Antworten, die ich auf meine provozierende Mail bekommen habe, auch nur im geringsten arrogant, überheblich oder gar beleidigend gewesen, ich wäre so schnell nicht mit dem Clicker in Kontakt gekommen. Ich hätte die Königsdisziplin der Lerntheorie verpasst und wäre im Zusammenleben mit den Hunden wahrscheinlich resigniert oder hätte mich arrangiert, wie so viele Hundehalter es tun die ich kenne. Na ja, der Hund ist jetzt 8 Jahre alt und das hat er schon immer gemacht, aber früher war es viel schlimmer.

Heute finde ich, dass das Ausreden sind. Jedes Fehlverhalten kann auch noch im fortgeschrittenen Alter behoben, vermindert und verbessert werden. Der Halter muss nur wollen und vor allem mitarbeiten. Für viele ist es aber viel einfacher dem Hund die Schuld in die Schuhe zu schieben. Spätestens wenn der nächste angeschaffte Hund die gleichen Macken zeigt, würde ich darüber nachdenken. 

Die Antworten die ich auf meine „dumme“ Mail (dumm weil ich mich vorher kein bisschen informiert hatte) waren freundschaftlich und sehr nett. Martin persönlich antwortete mir und schrieb: „ Er (Rico) muss ja gar nicht robben, er möchte probieren und hat sich das selber ausgedacht“. Dann kam die Antwort von Anke und vielen anderen die mir erklärten dass der Hund kreativ ist und versucht, wofür er vielleicht eine Leckerchen kassieren kann. 

Ja sicher, dachte ich, der Hund ist kreativ !  Pah ! Ich beruhigte mich mit dem Gedanken, dass es sich eben um einen sogenannten Ausnahmehunde handelt, also praktisch einer, der auch für den Zirkus getaugt hätte. Im Forum gab ich erst einmal Ruhe, las aber jetzt doch aufmerksam mit und stellte fest, dass es bei den „Clickermenschen“ jede Menge dieser Ausnahmehunde gab. J Parallel dazu entwickelte ich Freundschaften durch das Yorkie Board mit Frauen aus ganz Deutschland. Der Austausch war rege und bald stand das 1. Treffen vor der Tür.

Anke praktizierte schon das Clickertraining. Auch Petra hatte begonnen und ich nun wenigstens schon etwas davon gehört und die Regeln durchgelesen. Aber ich traute mich nicht anzufangen. Ich schaffte die Umsetzung ins Praktische nicht bzw. hatte Angst etwas falsch zu machen.Heute finde ich immer noch, wenn man nicht gerade Autodidakt ist, soll man sich einen Anfängerkursus gönnen. Es gibt doch etliche Fehler und Fallstricke in die man tappen kann. Spätestens wenn es dem Hund gar keinen Spaß macht oder man überhaupt keinen Erfolg hat (ja, ich meine in den ersten fünf Minuten) dann läuft etwas schief. Und glaubt mir, es gibt hervorragende Trainer.

Vorsicht ist geboten, wenn eine Hundeschule oder –verein clickern sozusagen als Sparte anbietet. Also z.B. bei uns können sie Agiltiy machen, Schutzhundeausbildung, Welpengruppe und clickern. Clickern ist keine neue Sportart ! Es ist gelebte Lerntheorie. Richtig müsste es heißen: Bei uns können Sie Schutzhunde ausbilden, Welpen- und Junghundegruppen besuchen, Dogdancing, Agility und Erziehungskurse besuchen und alles wird mit dem Clicker gelehrt.
Viele Trainer die die schnelle Mark bzw. den Euro wittern, richten sich nach dem Geschmack der Kunden und bieten Clickertraining an, obwohl sie den Inhalt selber nicht verstanden haben.

Wenn Dir also irgendjemand erzählt, dass du bald schon clickern kannst ohne den Hund zu füttern oder mit etwas anderem zu belohnen, dann ist das so ein Fall und du solltest deinen Hut und Hund nehmen und weitersuchen. Richtig müsste es heißen, dass wir nach und nach seltener clicken. Eins steht aber bombenfest, nach dem click gibt es eine Belohnung. Amen. 

Damals (1998) meldete Petra, Anja und mich , zu einem 2 Tages Clickerseminar in Wiesbaden bei Martin Pietralla an. Von diesem Seminar zehre ich noch heute J ! Ich meine das wirklich ernsthaft, es war so vollgepackt mit Informationen in Form von Vorträgen, Folien, Videos und Praxis, dass mir Jahre später noch Dinge einfallen, die ich dort gelernt habe. Und ich habe gelernt, ich habe aufgesogen wie ein Schwamm ! Es war total interessant bei der Konditionierung der unterschiedlichen Hunde zuzusehen, Videos mit Fallbeispielen anzukucken und etwas darüber zu hören welche Fehler man als Menschen machen kann. 

Dort kaufte ich meine ersten Clicker und konnte es kaum abwarten nach Hause zu kommen. Ich war aber auch bestens gerüstet, hatte gelernt, dass es sein kann, das mein Hund Angst hat vor dem Clicker (und wie ich dann weiter vorgehe), was passiert wenn der Hund nicht so besonders auf Leckerchen abfährt und und und..! Und trotzdem hab ich noch viele Fehler gemacht *räusper*, aber sie hatten keine negativen Konsequenzen mehr für meinen Hund. Ich habe an den falschen Stellen geclickt, also zu früh oder zu spät. Was bedeutete das für Lena wenn ich falsch clickte oder manchmal sogar aus Versehen den Clicker betätigte ? Na ein Leckerchen.  

Sie kann schließlich nichts dafür, dass ich kein richtiges Timing habe J. Und unser Lernerfolg wurde von 2 bis 3 Fehlclicks nicht beeinflusst. Das alleine imponierte mir sehr. Das Schlimmste was meinem Hund passieren konnte waren Leckerchen ohne dass sie etwas „richtig“ gemacht hatte ? Damit konnte ich wunderbar leben. Lena kapierte im Alter von 2 Jahren schnell, dass das Clickergeräusch besonders erstrebenswert ist. weil nachher immer etwas Tolles folgte. Es ist wichtig den Hund nach dem click IMMER zu belohnen (je nachdem was dein Hund mag mit guten Leckerchen, Spiel, Hundekontakten, Leine ab, Haustür auf usw.).

Wie viele Anfänger begann ich Sachen zu clickern, die der Hund schon kannte und konnte. Heute finde ich diese Idee nicht mehr so toll. Zum einen sollte man sich selber nicht um das Erlebnis bringen, wie schnell, einfach und gut Hunde neue Dinge mit dem Clicker lernen. Zum anderen sollte der Crossoverhund (also ein Hund, der mit herkömmlichen Methoden erzogen wurde) schnellstmöglich hinter das System des clickerns steigen und verstehen, dass er nach einer langen Durststrecke nun endlich „kreativ“ sein darf und Dinge ausprobieren kann ohne bestraf zu werden. Du glaubst Du würdest deinen Hund niemals dafür bestrafen dass er kreativ ist und ausprobiert ?
Nun, Hunde haben eine seltsame Art Dinge auszuprobieren. Menschen anbellen gehört für manche Hunde dazu oder Menschen anspringen, in Kleider oder Hände  beißen, sich umdrehen und weglaufen und vieles mehr was auf den 1. Blick nicht als kreativ erkennbar ist.
 

Das ist auch der Grund warum man nicht die Erziehungsmethoden mischen kann. Diese Frage wird immer wieder gestellt. Ich kann nicht von einem Hund erwarten, der nach herkömmlicher Methode für seine Fehler bestraft wird (z.B. beim Leine ziehen erfolgt ein Ruck zurück), dass er abends beim Clickertraining kreativ sein kann und darf. Ein solcher Hund wird sich hüten aus eigener Initiative etwas Neues zu probieren. Wer sagt ihm denn, dass er nicht wieder mit negativen Einwirkungen gestraft wird ? Du ? Wo Du doch vielleicht am nächsten Morgen wieder schlecht gelaunt aufwachst und weiterruckst ?
Und wir haben ja im letzten Absatz schon festgestellt, dass Menschen und Hunde unter Kreativität manchmal etwas anderes verstehen.
 

Ich möchte das ausschließlich als Denkanstoß verstanden haben, denn so ging es mir selber auch. Ich habe natürlich NICHT von heute auf morgen jegliche Strafe bei Lena weggelassen. Das war ein langer, ein schleichender Prozess. Aber ich habe nach jedem Vorfall angefangen darüber nachzudenken, was ICH hätte besser machen können, wie man die Situation hätte entschärfen oder vermeiden können (Clickertrainer haben da wirklich immer ein riesiges Potential an Möglichkeiten zur Verfügung, was man wie besser machen kann und wunderbarerweise hat jeder Trainer andere Ideen).  

Wie besprochen versuchte ich zuerst, kleine Kunststücke zu clickern. Dabei ist der Mensch nicht so verbissen weil es um „nichts wichtiges“ geht und das wirkt sich meistens sofort auf die Arbeit mit dem Hund aus. Abgesehen davon gibt es keine „sinnigen“ oder „unsinnige“ Kommandos (Signale) für Hunde. Dem Hund ist es schnurz ob ich sage „ Spring durch den Reifen“ oder „Platz“. Die Wertung nimmt alleine der Mensch vor.  

Ich hatte mir vorher genau überlegt, welches Verhalten von Lena ich beclickern wollte. Morgens nach dem Aufstehen streckte sie sich meistens, also Vorderbeine ausstrecken und Po in die Luft.

Immer wenn ich dieses Verhalten sah (Konditioniert hatte ich sie schon), clickte ich ( ich hatte ich in jedem Zimmer mehrerer Clicker deponiert, die aber meistens doch nicht nur rechten Zeit zur Hand waren und so habe ich irgendwann nur noch mit dem Zungenclick gearbeitet) und rannte mit ihr zur nächsten Leckerchenschale. Zungenclick = Schnalzgeräusch.

Ich schätze mal aus der Erinnerung, dass ich bis dato so ca. 5 bis 6 Mal das richtige Verhalten mittels clicken bestärkt hatte. Ich dachte  noch nicht im Traum daran , dass mein Hund verstanden hatte worum es ging, denn wenn ich mich mit Leckerchenschale erwartungsvoll hinsetzte, zeigte sie nur ihr altes Repertoire, nie das Strecken.
Dann kam der Tag, an dem ich mit dem Geschirr (Führgeschirr für Hunde) in der Hand „Lena“ rief, weil wir einen Spaziergang machen wollte. Mein Hund kam vom Sofa und streckte sich. C & B.

ACHTUNG FALLE !

Du kannst Dir  nie ganz sicher sein, wie ein Hund verknüpft, also lernt, es sei denn Du bist schon mal Hund gewesen J ! Das gilt sowohl fürs clickern also positives Verstärken einer Handlung als natürlich auch fürs strafen. Schönes Beispiel, der Hund auf den ein stehendes Fahrrad gefallen ist. Künftig hatte er schreckliche Angst vor Kinderwagen. Komisch oder ? Vor Fahrrädern hatte er gar keine Angst. Hat der dumme Hund denn nichts gelernt ? Doch ! Während das Fahrrad auf ihn fiel sah er einen Kinderwagen. Von diesem Momentan an verknüpfte er, dass Kinderwagen schrecklich weh tun.  

Ich finde es unglaublich wichtig, dass Menschen, das lernen. Wenn Du an der Leine ruckst, weil dein Hund zieht, dann kann er es möglicherweise mit der Leine verknüpfen. Meist ist das nicht so, dass erklärt warum die meisten Hunde ziehen und auch rucken langfristig nie dauerhaften Erfolg bringt. Wer einmal ruckt ruckt früher oder später immer wieder und sei es zur Auffrischung. Oder er verknüpft es mit Dir, schließlich merkt er schon von wem die Gewalteinwirkung ausgeht. Oder er verknüpft es damit, dass er genau in dem Moment in dem Du geruckt hast, nach links geschaut hat. Oder nach rechts, oder nach unten. Also bitte vorsichtig sein beim strafen, mir wäre es lieber Du würdest ganz darauf verzichten J ! Denn abgesehen davon, dass Du Deinem Hund damit wirklich weh tust (auch wenn er ein Lederhalsband trägt und sich nicht beschwert), die körperlichen Folgen von lebenslangem rucken kannst Du Dir dann bei der Obduktion deines verstorbenen Vierbeiners an Kehlkopf und Nackenbereich ansehen. Sprechen wir gar nicht erst von Würgern und Stachelhalsbändern....

Ich bin jedes Mal total entsetzt, dass Menschen handeln ohne darüber nachzudenken und wirklich glauben, dass das brutale herum Geziehe von Hunden ohne körperliche Folgeschäden bleibt......

Es spielt keine Rolle ob der Hund 3 kg (doch, ich verbessere mich, es ist bei so kleinen Hunden noch eine viel schlimmere Gemeinheit) oder 30 kg wiegt. Wenn ich mir manchmal ansehe wie Hunde zurück gerissen werden, dann muss dass einem Schleudertrauma bei einem Autounfall gleich kommen L !!!!
Ich hab mich verquasselt, aber das musste raus, also weiter im Text:
 

Ich habe dieses Strecken von Lena natürlich beclickert, ich hatte mir ja vorgenommen JEDES Strecken oder den Ansatz dorthin zu bestärken. Ich dachte nicht eine Sekunde lang an das Führgeschirr in meiner Hand. Warum auch ? War doch wohl egal was ich in der Hand hielt, oder wie meine Körperstellung ist, meine Mimik. Oder ?

Nein, war es nicht. Zuerst fiel es nicht weiter auf. Lena hatte ihr Leckerchen bekommen und wir gingen los.
Am nächsten Tag, gleiches Spiel. Geschirr in der Hand, Hund streckt sich, C & B.

Ich war immer noch völlig ahnungslos und dachte „Toll, sie fängt tatsächlich an, dass von mir verstärkte Verhalten immer öfter auch Zwischendurch zu zeigen“. Schließlich war das unsere erste Clickerübung ohne das ich den Hund dabei angefasst, angesprochen oder angesehen hatte. Nach und nach wurde ich jedoch stutzig.

Jedes Mal wenn ich das Geschirr in die Hand nahm. verharrte Lena in tiefer Verbeugung. Ich war hin und her gerissen. Einerseits war das natürlich ein riesen Fortschritt, andererseits lässt sich so ein Geschirr wirklich blöd anziehen, wenn der Hund mit dem Kopf zwischen den Vorderbeinen liegt und den Po in die Luft streckt J.
Also fragte ich nach und bekam die Antwort, dass ein Verhalten, dass nicht bestärkt wird früher oder später ausstirbt. Das habe ich ausprobiert. Und genauso war es dann. Sich morgens nach dem aufstehen zu strecken, war für Lena weiterhin lohnend.
Sich zu strecken während ich das Geschirr in der Hand hielt, war hingegen plötzlich nicht mehr attraktiv.

Dafür musste ich nicht mal reden und „nein, nicht, steh auf, lass das“ sagen, was wir Menschen doch ausgiebig oft und gerne tun, sondern ich ignorierte meinen verbeugten Hund, setzte mich wieder auf Sofa und stand parat sobald sie alle vier Füße normal unter sich setzte. C & B, Leckerchen, Geschirr an und raus zum toben.  

Anhand dieses und folgender Beispiele aus unserem Alltag möchte ich aufzeigen, dass Clickertraining immer ein Nachdenken für Hund und Mensch bedeutet. Ich mag es sehr, mich in den Garten zu setzen und mir Übungen für die einzelnen Hunde zu überlegen. Dabei stückele ich die Aufgabe in kleinste Teile (manchmal zu klein für die Hunde, sie überspringen einen Teil), lege die Übungszeiten fest (immer zwischen 1er und 3 Minuten) und versuche mir gedanklich auszumalen, wie ich durch welche meiner Handlung den Hund auf den gewünschten Weg bringe.

Nach einer Zeit macht das wirklich süchtig, wir sind alle bekennende Clickerjunkies die allerdings auch vom clickern hin und wieder eine Auszeit nehmen. Sozusagen Sommerferien. Dabei ist es faszinierend wie latentes Lernen statt findet. Übungen die ich begonnen habe und die nicht wirklich voran gingen oder gar keinen sichtlichen Erfolg zeigten, klappen nach Trainingspausen plötzlich viel besser. 

Nachdem ich meine ersten Clickererfahrungen mit Lena gemacht hatte (es folgten noch viele) kam irgendwann Banja dazu. Das war spannend. Ein komplett anderer, erwachsener Hund der bis dahin noch nicht viel erlebt hatte.
Solche Erfahrungen sind wichtig. Wenn Du mit einem Hund clickerst ist das toll, aber bitte fang nicht an, allgemeingültige Regeln aufzustellen. Jeder Hund ist anders und für jeden findet sich eine Individuallösung. Auch nicht alle Menschenkinder lernen auf die selbe Weise. Dinge wie Schuhe zubinden, schwimmen, Fahrrad fahren, Rollschuh laufen, Po abwischen u.Ä kann man auf unterschiedliche Weise ausüben und trotzdem ist es richtig.
Nur wenige Menschen lernen es nie J. Fast alle Hunde lernen alles, auf dem für sie vorgezeichneten Weg.

Dazu gehört aber auch ein gutes Augenmaß des Besitzers. Ich bin immer wieder erstaunt, was die Leute für Ansprüche an ihre Hunde stellen und welch schlechte Hundewahl sie vor Jahren getroffen haben.
Jeder Hund lernt beispielsweise Dinge aufzuheben und zurück zu bringen. Wenn man dies häufig und gerne von seinem Hund erwartet, dann sollte man sich eine entsprechend apportierfreudige Rasse aussuchen. Oder Du hast vielleicht sogar schon einen Hund der täglich gerne Dinge umher trägt.

NOCH MAL, jeder Hund kann es lernen, aber wenn der Zwergpudel das Apportierholz auf dem Boden zurück zu Herrchen schleift weil es genauso viel wiegt wie er selber, dabei kein Höchsttempo an den Tag legt und an Vorsitzen nicht zu denken ist, dann ist nicht der Hund schuld.

Diese Beispiel ist natürlich überspitzt, aber nicht ganz unrealistisch.
Muss wirklich ein Neufundländer mit zum joggen gehen ? In vielen Fällen höre ich dann: „Ja, aber er will unbedingt mit!“. Sorry Leute, Hunde sind hochsoziale Lebewesen die gerne in der Nähe ihrer Menschen sind. Ich kenne Huskys die mit ihren Leuten in die Sauna gehen würden.....ABER DOCH NICHT WEIL SIE ES SCHÖN FINDEN UND GERNE WOLLEN, obwohl sie willig mit hinein gehen ! Sie möchten bei ihrem Besitzer sein, das ist allemal besser als alleine zu bleiben und wir Menschen nutzen das oft schamlos aus.

Wenn Otto-Normal-Hundehalter im Besitz eines Border Collies, Austr. Shepards, Cattle Dog usw. mich aufsuchen um den Hunden das hüten und treiben „wegzuclickern“ ohne dass sie den Hunden einen adäquaten Ausgleich für den Arbeitstrieb bieten, wenn Deutsch Drahthaar, Münsterländer, Bracken und Co. nicht mit tiefem Kopf gehen sollen und keinerlei Jagdinstinkt zeigen dürfen, wenn Kangal, Kuvasz und Sennenhunde auf dem Siegertreppchen beim Agility und Dogdancing oder der Schutzhundprüfung stehen sollen, dann verstehe ich die Welt nicht mehr.

Ja, wahrscheinlich werde ich jetzt Mails bekommen, die lauten:
„Meinem Berner und mir macht tanzen aber Spaß.“
Herzlichen Glückwunsch, Du warst nicht gemeint. Ich meine die Menschen die sehr sicher eine bestimmte Ausbildung oder eine Aufgabe vor Augen haben und den schlechtesten Hundetyp dafür auswählen. Natürlich dürfen Kangal auch zum Agiltiy, ein Yorkshire Terrier wird daran genauso viel Freude empfinden, solange sich der Ehrgeiz der Besitzer in Grenzen hält und BEIDE Spaß daran haben.

Natürlich ist Dogdancing todlangweilig wenn nur Border mitmischen. Ich denke jedoch dass sich unter knapp 400 Hunderassen immer mehrere Hunde finden lassen, die unseren Ansprüche genügen.
Und wenn sie den besonderen Kick mögen, dann versuchen sie doch einfach mal Kuh, Schwein, Pferd oder Ratte das apportieren beizubringen. Das geht nämlich auch, mit Freude und einigen Abstrichen, denn beim korrekten Vorsitzen haben diese Tiere alle Probleme
J !
 

Zurück zu Banja, die jetzt unseren Haushalt bereicherte. Ein bisschen Vorgeschichte muss man kennen um zu verstehen, was da los war. Banja war einer von 11 Hunden. Sie war mit knapp einem Jahr noch geistig und körperlich am heranreifen. Banja lebte überwiegend im Hof und im Pferdestall.

Das alles bedeutete: Banja hatte HUNGER ! Und wie........ 

Da sie wenig oder gar keinen Aufenthalt im Haus kannte, waren ihre Tischmanieren, nun sagen wir mal, barbarisch.
Wenn sie nicht auf den Tisch kam (was sie schnell lernte durch Gewaltandrohung der im Haus lebenden Männer) saß sie neben mir, Kopf auf meinem Knie und piepste jämmerlich während sie meine Hose einspeichelte. Wenn der Hund Hunger hat und etwas Gutes riecht oder sieht, dann kommt schon so ein Liter Speichel zusammen.
Wäre es nach meinen Lebensgefährten gegangen, hätten wir sie einfach während der Mahlzeiten ausgesperrt. Das Gejammer und Gejaule war wirklich super nervig. Das fand ich irgendwie zu billig. Dabei bekämpft man ja nur die Symptome und nicht die Ursachen. Ich habe mich hingesetzt und überlegt und ehrlich gesagt, als Clickeranfänger nicht gewusst wie ich das Problem lösen soll.

Eine Nachfrage bei Martin verschaffte mir einen schnellen Überblick, wie ich die Sache angehen musste.
Banja bekam weiter bei den Fütterungszeiten ihren Napf voll. Bei unseren Mahlzeiten jedoch ignorierte ich sie und ließ weiterhin meine Beinkleider voll sabbern. Ich habe oft mit dem Gedanken gespielt sie erbost auf ihr Kissen zu schicken, es aber nie getan. Ich wollte unbedingt den längeren Atem haben.
Monate vergingen und der Hund war äußerst hartnäckig.
 

Irgendwann jedoch, ich hab keine Ahnung nach wie langer Zeit und ob es heiß war an diesem Tag oder kalt, geschweige denn was der Auslöser war, ließ Banja sich hin plumpsen und lag mit der Schnute auf meinem Schuh (nicht ohne theatralisch aufzustöhnen). Sofort C & B und irgendetwas von meinem Teller.
Könnt ihr euch vorstellen was als nächstes kam ? Na ? Der Click beendet für den Hund die Übung und bedeutet: fein gemacht – und fertig.

Also Banja sprang wie von der Tarantel gestochen auf und saß wieder sabbernd neben mir. Jörg hat die Welt nicht mehr verstanden. Da legt sich der lästige Piepser endlich hin und ich clicke, füttere (auch noch vom Tisch) und sofort ist alles beim alten.
Das hört sich auch unverständlich an, ist aber eigentlich klar.
Sie hatte zu dem Zeitpunkt noch keine Ahnung wofür sie den Click bekommen hat, darum ist es ja auch nicht schlimm, einmal falsch zu drücken. So schnell kapiert meistens kein ungeübter Hund worum es geht.
Also saß sie wieder und ich ignorierte tapfer. Allerdings habe ich damals hin und wieder leise Zweifel empfunden, ob das wirklich richtig ist, was ich da anstelle.
 

Diesmal vergingen nur wenige Wochen, bevor Banja sich wieder hinlegte (dieses Mal hatte ich allerdings den Eindruck, dass sie sich langsam und bedächtig legt, irgendwie sah es „bewusst“ aus). C & B.
Danach war die 1. Hürde genommen und der Schnauzi lag beim essen und wurde in unregelmäßigen Abständen belohnt (allerdings noch bei jeder Mahlzeit mehrmals). Bei diesem Liegen, schaute sein nach oben in mein Gesicht und sie lag auch noch sehr dicht am Tisch. Es war eine große Freude ohne nasse Hose vom Essen aufzustehen, allerdings fand ich das Endergebnis noch nicht befriedigend.
Dann fing ich an, dass Liegen nicht mehr zu beclickern. Eigentlich hatte ich damit gerechnet, in ein zutiefst verzweifeltes Schnauzergesicht zu blicken, aber wider Erwarten, fand ich sie eher nachdenklich, konzentriert vor. Also mit Denkerfalten auf der Stirn.
 

Eine kreative Idee die von ihr selber stammt, war der Versuch sich wieder hinzusetzen. Keine Reaktion. Also wieder hinlegen. Das habe ich bestärkt um ihr klar zu machen, dass der Versuch in die richtige Richtung geht.
Dann hat sie mit dem Fuß meinen Fuß berührt. Kreativ, ja, aber für meine Vorstellung ungeeignet, also ignoriert. Irgendwann hat sie den Kopf abgesenkt um am Boden zu schnüffeln. C & B.
Die Fortschritte die sie dann machte waren rasant. Innerhalb kürzester Zeit lag Banja ruhig im „down“ zu meinen Füßen. C & B nein, sogar Jackpot und einen dicken Batzen Fleisch.
 

Der Rest der Geschichte ist schnell erzählt. Banja wurde nach und nach nur noch belohnt wenn sie weiter weg lag vom Tisch. Irgendwann lag sie im down auf ihrem Kissen. Genau da wollte ich sie haben. Das Futter konnte ich ihr bequem zu werfen.
Mit zunehmendem Alter, ist sie beim betteln (ja, sie bettelt immer noch, aber ich habe bestimmt wie sie es tut, nämlich auf ihrem Kissen liegend) immer häufiger eingeschlafen.
Heute geht sie mit Freude auf ihren Platz, wenn ich den Tisch decke und Freunde und Bekannte sind immer wieder begeistert, wie „brav“ der Hund ist, obwohl Schnauzer doch als verfressen gelten.

Ich weiß dann, dass sie bettelt, aber so, dass es niemanden stört, es eigentlich keiner bemerkt. Dann bin ich unglaublich stolz darauf durchgehalten zu haben und natürlich auf diesen prachtvollen Hund.

 

Wird fortgesetzt !