Clickertagebuch


18. März 2009

Liebe Lena,

 
erinnerst du dich, wie du mich ausgesucht hast ? Ich hatte die Wahl zwischen Dir und deiner Schwester. Du hast vor mir gesessen. Die Ohren bis zum Boden und den dicke rosa Bauch raus gestreckt du hast ununterbrochen meine Hand geleckt....

 
Erinnerst du dich wie ich verzweifelt Namen mit „M“ gesucht habe, weil mein Pferd Mexx und meine Katze Mimi hieß ? Bis das Lied „Lena“ im Radio lief als ich dich nach Hause fuhr ?

 
Erinnerst du dich, wie du nach Mama und Geschwistern geweint hast und ich in der 1. Nacht dachte, was hab ich dem Hundebaby nur angetan ?

 
Erinnerst du dich, wie du nächtelang hinter meinem Bett gesessen hast und gebellt hast ? Die Nächte mit mir waren sooo langweilig. Der nachfolgende Streit mit den Obermietern war dafür lustig.

 
Erinnerst du dich wie oft ich dich in der Anfangszeit geworfen und geschmissen habe (ohne Absicht) ?

 
Erinnerst du dich, wie du das 1. Mal 3 Türen geöffnet hast und den ganzen Vormittag auf dem Bürgersteig auf mich gewartet hast ?

 
Erinnerst du dich, dass du 3x täglich die arme Mimi über den Haufen gerannt hast ?

 
Erinnerst du dich an deine beste Hundefreundin Inka ?

 
Erinnerst du dich an dein 1. Treffen mit Jörg ? Es war Liebe auf den 1. Blick ?

 
Erinnerst du dich an das 1. Yorkie-Treffen mit 8 anderen Hunden ?

 
Erinnerst du dich wie du im Alter von 9 Monaten zum 1. Mal die Kaninchenställe gefunden hast ?

 
Erinnerst du dich als Banja einzog ?

 
Erinnerst du dich an deine 1. gefangene Maus ?

 
Erinnerst du dich an meine Mutter die dich 2 Jahre lang 4 x täglich besucht hat um dich nach draußen zu lassen ?

 
Erinnerst du dich an die Kinder ?

 
Erinnerst du dich an den Einzug von Bine. Sie hat furchtbar geschrieen, als sie dich sah. Du warst bereit den kleinen Schreihals sofort zu entsorgen ?

 
Erinnerst du dich an das 1. Frischfleisch im Maul ?

 
Erinnerst du dich an unsere Clickersessions ?

 
Erinnerst du dich an unsere Fahrradtouren ?

 
Erinnerst du dich an all die Bäche, Flüsse und Seen in denen du geschwommen bist ?

 
Erinnerst du dich an unseren Campingurlaub mit Sabine und Felix und die 2 wundervollen Urlaube in Dänemark ?

 
Erinnerst du dich an den Klinikaufenthalt und wie viel Angst ich damals um dich hatte ?

 
Erinnerst du dich an unseren Umzug ?

 
Erinnerst du dich an all die Besucher mit und ohne Hund ?

 
Erinnerst du dich, wie gerne du beim Auto fahren die Schnauze aus dem Fenster gehalten hast ?

 
Erinnerst du dich an unsere gemeinsamen Nächte im Bett ?

 
Erinnerst du dich an mich ?

Du fehlst mir so. Diese Leere ist unerträglich. Ich erinnere mich an dich. Ich werde dich nie vergessen. Ich verdanke dir viel. Mein Hund, ich hab dich so lieb !

15. März 2009

Ganz ehrlich ? So einen freien Sonntag wie heute, brauche ich nicht noch mal. Aber der Reihe nach.....

Henri durfte gestern zum ersten Mal bei Oma und Opa in Hattorf übernachten. Gestern Nachmittag war er noch hingerissen zwischen „klappt schon“ und „klappt nicht“. War schon sehr süß. Ich hab ihm immer wieder versichert, wenn er nicht einschlafen kann oder nicht dort schlafen will, soll er der Oma bescheid geben und dann ruft sie uns an. Egal wie spät.

Dementsprechend schlecht habe ich geschlafen, weil ich unbewußt immer zum Telefon gehorcht habe. Was soll’s. Der Kleine hat alles mit Bravour gemeistert. Als ich gestern Abend gegen 22 Uhr noch mal nachgefragt habe, lag er im Bett (der Opa auch schon) und alles war ruhig.

Ida wurde am Freitag geimpft und hat leicht gefiebert. Da die kleine Schnecke gerade eine wirklich fiese Bronchitis (wie wir alle) hinter sich hat, hat sie dieses Fieber kalt gelassen. Sie strahlt, hampelt, isst und ich denke sie hat es gut überstanden (ich hasse diese Impferei).

Gestern nachdem Ida eingeschlafen war, saß ich also mit dem Jörch aufm Sofa und wir haben uns gefreut, wenigstens heute Nacht nicht auch noch in die untere Etage rennen zu müssen. Als alte Eltern lagen wir brav gegen 23 Uhr im Bett und wie gesagt mein Schlaf war bescheiden. Heute Morgen beim Frühstück war es dann ganz seltsam. Wir haben beide immer wieder auf die Uhr geschaut und aufs Babyphon gehorcht bevor einem von uns einfiel, dass Henri ja in Hattorf ist. Gegen 8.30 haben wir mit ihm telefoniert und als ich seine Kommandostimme durch den Hörer kreischen hörte, hat das Frühstück gleich noch mal so gut geschmeckt J.

Beim Frühstück haben wir uns dann über Lena unterhalten. Sie hat derbe Probleme mit dem rechten Hinterbein. Manchmal glaube ich es sind leichte Lähmungserscheinungen. Denn wenn sie abends träumt und mit den Beinen zuckt, bleibt das Beinchen trotzdem liegen. Ihr stark vergrößertes Herz macht ihr Probleme. Sie hechelt stark trotz Medikamenten. Sie hat überall am Körper Fettgeschwulste von denen wir hoffen, dass sie alle gutartig sind. Geschnippelt wird mit 13,4 Jahren nicht mehr.
Wir haben überlegt, was wir tun können, wenn sie die Treppen (derzeit wird sie im Geschirr mehr getragen als dass sie geht) gar nicht mehr hoch kommt. Wir haben zusammen getragen, was ihr Leben noch lebenswert gestaltet (ESSEN, ESSEN, am Leben teilhaben, kuscheln, ESSEN) und vor uns hinsinniert, wie es sein wird, wenn unsere Freundin einmal entgültig gehen muss. Ich bin in letzter Zeit sehr großzügig mit Lenas Schmerzmitteln umgegangen, weil ich mir bei dem alten Mädchen keine Gedanken mehr um langfristige Leberschäden machen muss. Hauptsache ihr tut nichts allzu sehr weh. Natürlich würden wir uns wünschen, dass sie 20 Jahre alt wird, derzeit sieht es aber danach leider gar nicht aus.

Natürlich würden wir uns wie alle Hundehalter wünschen, dass wenn ihre Zeit gekommen ist, sie nachts einfach einschläft und nicht mehr aufwacht. Meine Erfahrungen mit Hunden sind leider auch da ganz andere. Obwohl es ein schrecklich trauriges Thema ist, fand ich es tröstlich mit Jörg darüber zu reden. Z.B. dass ich nicht beabsichtige bei einer Futterverweigerung von Lena sofort die Euthanasie zu verlangen. Nach reiflicher Überlegung bin ich zu dem Schluss gelangt, dass man nicht ohne Schmerzen, Blut und Schweiß auf die Welt kommt und in den allermeisten geht man eben auch nicht einfach so von der Welt. Ich glaube schon, dass die meisten da draußen sich wünschen, ihr Hund stirbt einmal in gewohnter Umgebung. Und eben dann sollte man darüber nachdenken, dass Hunde bevor sie sterben, eben auch das Fressen einstellen....

Sollte der Eindruck entstehen, dass ich gehen eine Einschläferung bin, dann kann ich sagen, dem ist überhaupt nicht so. Ich halte es für einen Segen, die Möglichkeit im Rücken zu haben. Ich möchte es mir aber auch nicht zu leicht machen.

Während unseres Gesprächs wurde Ida wach. Ich bin mit ihr ins Badezimmer zum wickeln und Jörg hat den Tisch abgeräumt.
Als ich nach kurzer Zeit wieder draußen war, fiel mir Bine auf die hinter Lena den Boden abgeschleckt hat und ein durchdringender Geruch nach Analdrüse. Wer das schon mal gerochen hat, vergisst es nicht....
Lena lag, wie zuvor verlassen, vor dem Tisch (zumindest sah es von hinten so aus). Ich habe Ida in den Wipper gelegt und Jörg gefragt, was so stinkt (im Verdacht hatte ich Bine, die schon mal so lange leckt, bis sich die Analdrüsen entleeren).

Jörg blieb stehen, schaut Lena an uns sagte: LENA ? Dagmar, was hat sie denn, die liegt so komisch ? Ich hab ihr grade ein Stück gekochte Mettwurst gegeben....

Diskutieren wir jetzt bitte nicht über die Wurst. Die ist 1. gekocht und wirklich weich und 2. bekommen die alte Mädchen häufig Sachen, die schmecken. Ganz einfach weil sie alt sind und ab und zu etwas fressen sollten was richtig verboten ist. Ist wie einmal im Monat Mc Donalds.....

 Ich hab mich von Ida weggedreht, Lena angeschaut und gesehen, dass sie die Nase voll auf die Fliesen gestützt hatte. Die Augen waren aufgerissen und als ich ihren Körper mit den Augen nach einer Atmung abgesucht habe, ist sie auch schon umgefallen wie ein Stein.

Ich war schlagartig wieder ganz ruhig. Unglaublich, aber ich war es. Ich hab mich hingehockt und Jörg gesagt, sie atmet nicht mehr. Während ich sie in der Mitte angehoben habe um den „Heimlich-Griff“ zu machen, hat Jörg ihr Maul geöffnet. Im ersten Moment wollte ich sagen: „Himmel was hat die denn gefressen, was in aller Welt hängt da ???“. Dann habe ich gesehen, dass es ihre Zunge war, die war blitzeblau.

Ich hab sie immer wieder hoch gehoben und abgesetzt, während mein Mann aus ihrem Rachen bröckchenweise die Wurst geklaubt hat. Dann wollte Jörg ihr eine Herzdruckmassage machen, aber ich fand, dass war nicht nötig. Ich hab ja unter meinen Händen ihr Herz gefühlt. Es war beängstigend, dass es ganz langsam geschlagen hat. Was ich dagegen heute den ganzen Tag nicht los werde, sind ihre Augen. Ich war mir ja zum derzeitigen Zeitpunkt gar nicht darüber klar, dass sie ohnmächtig ist. Sie hatte keinerlei Reflexe. Kein zapplen, kein husten, würgen, keine Gegenwehr im Kiefer. Ihre Augen sahen aus, als wenn sie aufgegeben hat. Ich weiß nicht, wie ich das richtig beschreiben soll. Sie sah aus, als wenn sie alles bewusst erlebt und nicht mehr dagegen ankämpft. Das hat mich echt sauer gemacht und so haben wir unsere Anstrengungen noch mal verstärkt. Jörg hat mit der ganzen Hand den Rachen frei geräumt, während ich sie immer wieder hoch gehoben, gedrückt und mangels Kraft wieder runter gelassen habe. Sicher wäre es sinnvoll gewesen Jörg hätte meinen Posten übernommen und ich seinen, aber dazu war weder Zeit noch haben wir einen Gedanken verschwendet.

Dann hat Jörg gesagt: „Dagmar, sie lässt den Urin laufen“. Eine Millisekunde war ich versucht einfach aufzuhören, die Hände vors Gesicht zu schlagen, zu weinen und zu sagen: Wir haben sie verloren. Sie ist erstickt. Aber ich hab immer noch ihr Herz gefühlt und gedacht, was für eine elendige Art abzutreten. Das hat sie nicht verdient. Wie viel Angst muss sie in den vergangenen 2 Minuten (waren es allerhöchstens, aber es kommt einem ja vor wie Stunden) gehabt haben, ohne sich mitteilen zu können ? Mein armes Mädchen. Und so haben wir noch mal alles gegeben. Gedrückt, gegrabscht, gehoben, geschoben.

Und dann kam das erste zischende Luftholen durch die Nase. Mein Gott, mir ist ein Zentnerstein von der Brust gefallen. Es hat noch einmal eine Minute gedauert bis sie wieder bei Bewusstsein war. Vorher standen ihre Augen vor Schock richtig aus dem Schädel, der ganze Kopf war voll gesabbert und sie lag in ihrem eigenen Urin.....aber sie hat geatmet. Danke Gott im Himmel.

Jörg war total erleichtert und ziemlich geschockt. Er hat echt gezittert und hatte Puddingkniee. Er hat sich natürlich Vorwürfe gemacht wegen der Wurst. Ich fand aber, dass hilft niemanden. Kochwurst ist weich und schon immer eine Lieblingsspeise meines Hundes. Wer ahnt denn nach 13 Jahren so etwas ? Sie muss das ganz unglücklich in den Hals bekommen habe bzw. hat mal wieder nicht gekaut und einfach nur runter gewürgt.

Ich habe sie noch eine Weile gestreichelt, bis sie wieder ganz da war. Natürlich war die Ärmste total fertig. Sie war nicht in der Lage sich aufzurichten. Wir haben dann erst mal das Chaos beseitigt und dann die Lena so gut es ging im Liegen gewaschen. Dann haben wir aus dem Schlafzimmer ihr Hundekissen geholt und sie vor der Heizung platziert. Mittlerweile war auch die Zunge wieder rosa.

Jörg hat gesagt, wenn er Raucher wäre, würde er JETZT eine rauchen *lol*. Hab ich dann gleich aufgegriffen, den Gedanken. Bei mir kam der Schock dann mal wieder mit einer halben Stunde Verspätung. Plötzlich war mir richtig schlecht und meine Knie waren weich. Ich musste dauernd darüber nachdenken, was passiert wäre, wenn ich alleine gewesen wäre oder wir das Haus verlassen hätten. Aber letztendlich hilft auch das nicht weiter. Wir haben noch mal Glück gehabt und können heute Lenas 2.Geburtstag feiern.

Und weil das jetzt alles eher unschön war, für uns alle noch ein paar Fotos zum abregen.

 

Gleich nach dem schrecklichen Erlebnis ist Lena noch ziemlich fertig

Die Ida hat zugesehen


Der Henri zum Glück nicht


Bei Ida hat es aber keine bleibenden Schäden hinterlassen *g* (ich finde sie sieht aus wie ein Kobold, oder )

Wer jetzt noch wissen möchte, was Ida neuerdings für Geräusche machen kann, guckt hier:


Ida imitiert einen Mann der mit nassen Gummistiefeln geht

In diesem Sinne, geburtstagfeiernde Grüße und
bis die Tage,
Dagmar