Clickertagebuch


12. Juli 2009

So, nun ist es doch schon wieder Juli geworden, bevor ich zum schreiben komme. Aber immerhin hat der Juni wenigstens einen Eintrag. Heute war ein echter Scheißtag. Seit Ida's Geburt hat der Henri schon damit zu schaffen, seinen neuen Platz in der Familie zu finden. Er ist jetzt kleiner großer Bruder und sicher fällt ihm vieles nicht leicht. Die letzten Monate waren sehr anstregend und ich mache 3 Kreuze, dass Ida selber immer noch der lässige Typ ist. Wie bei vielen anderen auch, läuft sie eher nebenher und scheint damit keine Probleme zu haben.
Henri liebt seine Schwester und ist dabei sehr rührend. Er betitelt sie mit :"Meine süße Schnecke", "die kleine Idi", "meine Schwester" und allen möglichen und unmöglichen Kosenamen. Er flitzt los sobald sie sich meldet und will unbedingt als erster im Schlafzimmer sein. Wenn er mit irgendwelchen zufälligen Aktionen Ida zum lachen bringt, wiederholt er das bis zum x-ten Male und selbst wenn er bei den Oma's und Opa's Einzelkind ist, denkt er immer an Ida und spricht viel von ihr.

Auf der anderen Seite steckt er immer noch in der Trotzphase, bockt viel, heißt mit 2. Vornamen "NEEEEINNNN" oder "ich kann das ALLEEEIIIINNNEEE" und weiß genau, dass er durch bestimmte verbotene Aktionen sofort die volle Aufmerksamkeit von allen hat, weil bestimmte Dinge einfach nicht ignoriert werden können. Heute war dann mal wieder so ein Tag. Während ich über den Vormittag noch meine Nerven retten konnte (irgendwie), hat er nach dem ausgefallenen Mittagsschlaf wirklich so sehr provoziert, dass ich ihn am liebsten verhauen hätte. Aber nach Strich und Faden. Ich sehe wirklich rote Pünktchen vor den Augen vor lauter Wut, wenn er vor lauter "ich weiß nicht mehr was ich machen soll" anfängt, seiner Schwester weh zu tun. Das hält sich noch in Grenzen, weil er ständig darauf bedacht ist, dass wir auch sehen dass er versucht auf ihre Finger zu treten oder über ihre Füße zu fahren, aber nach der 1.0000.00000 Ermahnung, Erklärung/Ablenkungsversuch bin ich irgendwann an dem Punkt, wo ich merke, gleich kreische ich, oder ich leg ihn übers Knie oder ich verlasse die Wohnung und komme nicht wieder......
Arrrrrggggghhhhhh !!!!!!

Wenn er mit ihr alleine ist, passiert das nie (ich bin dann bloß im Nebenraum). Lohnt sich ja auch nicht, weil sieht ja keiner. Es nervt mich einfach total, dass er jegliche Spielversuche ablehnt und dann vor lauter Langeweile anfängt, die Brotmaschine anzuschalten, Ida zu drangsalieren, auf die Erde zu spucken, die Türen zu knallen oder was weiß ich. Man merkt ihm durchaus an, dass er in solchen Situationen auch nicht glücklich ist und dennoch ist er zu klein oder zu gefrustet um diese Sachen zu unterlassen. Normalerweise würde ich ihn mit einem Eimer Wasser in die Sandkiste setzen, weil Wasser und Sand = Matsch, sofort gute Laune machen. Zumindest bei den 1.-5.jährigen. Heute war das leider aufgrund des Wetters nicht möglich und so hab ich ihn vorhin, kurz vor dem Nervenzusammenbruch, in die Wanne gesteckt und da war dann endlich eine gute Stunde Ruhe mit Wasserplanschen und Badezimmer fluten. Danach ein schnelles Abendbrot (Hunger oder Schlafmangel sorgen meistens für solche Aussetzer bei Henri obwohl er Worte wie "Hunger" oder "Müde" nie benutzen würde) und dann ab ins Bett.

Jetzt, nachdem er selig schläft, denke ich schon wieder darüber nach, was ihn plagt. Während ich aber tagsüber mit einem so unausstehlichen Jungen zu tun habe, ist es mir irgendwann einfach egal, ich will nur noch, dass er aufhört. Sehr anstregend, zumal die Ida zahnt. Auch das läuft bei ihr relativ relaxed ab, sie will halt nur nicht schlafen. Aber genau dass ist wahrscheinlich Henris Problem, denn sonst kann ich mich intensiv mit ihm beschäftigen während Ida träumt. Derzeit überlebe ich indem ich mir mantramässig vormurmele: Es ist nur eine Phase, es ist nur eine Phase, es ist nur eine Phase, es ist nur eine Phase.........

Vorhin hab ich mir überlegt, woran ich fest mache, ob es ein guter oder ein schlechter Tag für mich wahr und habe festgestellt, dass ich an den guten Tagen, zwischendurch einfach immer mal ein paar kleine Zeit-Inseln für mich habe. Eine Minute um auf die Toilette zu gehen oder zu duschen, mit Bine zu gehen oder zu mailen, zu lesen (auch wenn es nur 2 Seiten sind) und solche Kleinigkeiten. Hört sich niedergeschrieben extrem egoistisch an, ist aber wichtig für mich um geistig gesund und leistungsfähig zu bleiben.

Und so schreibe ich jetzt mal für mich auf (auf das ich in 2 Jahren darüber lachen kann) was gut und schlecht ausmacht:

Guter Tag     
Ich wache von alleine auf  (neuerdings immer öfter schon um 6 Uhr)                                             

Schlechter Tag
Ich war nachts zwischen 1 -99 x auf und wache morgens von irgendeinem Gebrülle auf oder
weil Bine mich wachhechelt

Guter Tag
Das erste was ich rieche ist der Kaffee den ich 
mir koche      

Schlechter Tag
Das erste was ich rieche ist Kinderkacke oder Hundekotze

Guter Tag
Ich kann 1 Tasse Kaffee trinken und die Kinder schlafen noch. Ich muss mit niemanden reden

Schlechter Tag
Ich hab um 11 Uhr immer noch keinen Kaffee getrunken und im Gegensatz zu den Kinder bin ich ungewaschen, nicht angezogen und Schweiß gebadet. Es haben schon 4 Firmen angerufen und Telefonwerbung gemacht

Guter Tag
Die Kinder sind guter Laune

Schlechter Tag
Die Kinder brüllen abwechselnd oder zusammen

Guter Tag
Ich darf zu arbeit gehen

Schlechter Tag
Ich muss zuhause bleiben

Guter Tag
Ida ist nach 2 Stunden robben, kugeln und spielen müde und geht wieder ins Bett, Henri spielt mit mir oder alleine

Schlechter Tag
Ida schläft gar nicht und Henri braut nur Mist

Guter Tag
Ida macht Mittagsschlaf, Henri macht Mittagsschlaf

Schlechter Tag
Ida brüllt, Henri brüllt, nach 30 Minuten sehe ich ein, dass heute keiner schläft

Guter Tag
Jörg kommt von der Arbeit nach Hause

Schlechter Tag
Jörg hat einen Einsatz und kommt nicht nach Hause

Guter Tag
Die Kinder werden gehütet und ich kann mit Bine eine Runde drehen

Schlechter Tag
Keine Zeit für nix und Bine muss sich mit dem Garten begnügen (super, auch noch ein schlechtes Gewissen für mich oben drauf)

Guter Tag
Die Kinder essen, werden gewaschen und schlafen nach den verschiedenen Abendritualen friedliche ein

Schlechter Tag
Die Kinder essen nicht, brüllen beim waschen und schlafen einfach nicht bzw. immer mal 15 Minuten um dann richtig aufzudrehen so dass ich entweder bei Ida im Schlafzimmer oder eine Etage tiefer in Henris Zimmer renne.

So, und heute war definitiv ein schlechter Tag ! Wobei mir das aufgeschrieben jetzt schon wieder harmlos vorkommt. War es aber nicht. Es war anstregend, ätzend, nervenaufreiben und fies. Das musste mal gesagt werden.

Schlechtgelaunte Grüße,
Dagmar