Clickertagebuch


22. Oktober 2005
Heute Morgen hatten wir Feindkontakt :)

Ich wollte mal eine andere Vor-Frühstücksrunde drehen. Das hat man dann davon. Aber es war gar nicht schlimm.
Ich war mit den Mädels schon wieder auf dem Rückweg zum Auto, als ich 3 Rehe (für jeden Hund eines ?) über einen Acker rennen sah. Mutter Natur hat die wirklich perfekt getarnt, die Hunde haben sie nicht gesehen und der Wind stand für mich günstig :). Glücklicherweise also die Bine ran gerufen, die sofort kam und den beiden dicken Schwarzen ein Stop-Signal gegeben. Die Rehe sind dann über die Straße gelaufen und wollten auf eine Pferdeweide. Das doofe an Pferdeweiden ist, dass sie in der Regel eingezäunt sind !!! Haben die Rehlein dann nach dem Aufprall auch gemerkt. 1 ist nach links geflüchtet und war recht schnell verschwunden. Die beiden etwas Dusseligeren kamen dann zurück geflüchtet zu mir und den Hunden. Bine hatte bis dato nur mitgekriegt, dass die Pferde verrückt spielen und herum galoppieren. Das fand sie ja schon großartig. Soviel Bewegung. Als vorausschauendes Frauchen, dass einen Ruf zu verlieren hat, hab ich ihr dann gesagt: "Ui, warte mal und guck, was da gleich kommt". Lena hat schon wie ein Uhu den Blick um 180 Grad gedreht, weil sie gemerkt hat: Hier stimmt was nicht. Der Schnauzi stand wie festgewachsen und hat vermutlich durch den etwas wilden Winterhaarschnitt versucht, unter den Ponyfransen was zu sehen.
Als die Rehe fast auf unserer Höhe waren, haben sie den Acker verlassen (bis dato waren sie für die Hunde unsichtbar) und haben genau vor uns eine Teerstraße überquert. War des spannend. Bine war gefesselt. Lena und Banja hatten so einen Gesichtsausdruck wie: "Ach so, Rehe. Na dann...". Bine war, bilde ich mir ein, tief beeindruckt, dass ich das Ereignis voraus gesehen und angekündigt habe. Sie war gespannt wie eine kleine Feder.
Ich habe sie festgehalten, bis die Tiere im nahe liegenden Wald verschwunden waren. Während der Zeit habe ich sinnvolle Dinge über Rehe erzählt (schau die dusseligen Dummbeutel, hätten uns bald über den Haufen gerannt......ich mag Rehe.....mit Pommes......wir lassen sie einfach.... sind doch langweilig). Schade, dass Bine kein deutsch versteht !

Als die Rehe außer Sicht waren, hab ich Bine losgelassen und sie ist sofort in die Richtung gespurtet. Ich hab ihr 5 Sekunden Zeit gegeben und dann gepfiffen. Sie ist sofort abgedreht und kam zurück. Banja und Lena haben noch während die Rehe gelaufen sind, angefangen weiter nach Mäusen zu suchen. Als Bine aber die Stelle gefunden hat, an der es definitiv nach Reh gerochen hat, ist sie noch mal auf den Acker und im Zick Zack umher gesaust. Man konnte richtig zusehen, wie sie sich von Sekunde zu Sekunde mehr aufgeregt hat. Da fand ich es dann Zeit für den ultimativen "Frauchen-rennt-jetzt-weg-lässt-dich-alleine-und-du-musst-sehen-wie-du-durch-kommst" Pfiff. Da sie relativ weit weg war (na gut für meine Begriffe, so 50 Meter), konnte sie mich ordentlich hetzen, als sie versucht hat mich einzuholen. Wir sind noch ein Stück weit in die entgegengesetzte Richtung gelaufen und dann wieder zurück. Dieses Mal war die Stelle nicht mehr interessant und als Alternative haben wir nach Mäusen gebuddelt und uns richtig eingesaut.

Gestern hat mich Bine in die Schule begleitet. 2 Agilitystunden und 1 x Junghunde und abends hatte ich einen zufriedenen, müden Hund. Ich bin wirklich stolz auf sie. Sie benimmt sich total gut, spielt gerne mit netten Rüden und Hündinnen, bleibt wenn ich es so will unangeleint neben mir, während andere üben und ist einfach ein toller Hund. Sollte ein Hund dabei sein, den sie nicht leiden kann, kann ich ihn zur Tabuzone erklären und sie läßt ihn die ganze Zeit in Ruhe, auch wenn ich nicht hinsehe.  Ich finde, dass ist eine beachtliche Leistung für einen 2jährigen Hund. Beim letzten Stammtisch hab ich auch alle 3 Wuchtbrummen mitgenommen. Ging sehr gut, wenn man eine einfache Regel beachtet: Die Schlappohrigen wollen gestreichelt werden, die Stehohrige nicht. Ich weiß nur nicht, wie ich den Menschen beibringe, dass Bine manchmal, nach 1 Stunde mit fremden Leuten im selben Raum, DOCH gestreichelt werden will. Dann traut sich nämlich keiner mehr ran :)). Das geht dann auch frei nach dem Motto: Du ja, DU bloß nicht. Weiß der Geier woran sie das fest macht. Aber ich denke mit der Nicht-anfassen-Regel fahren wir alle am besten. Sie entspannt nämlich immer mehr und wird nur sehr unsicher, wenn Leute extrem starren oder sich weit drüber beugen. Wir arbeiten daran, dass sie dann einfach geht und nicht die Nase kürzt :))

Beim Vorgespräch für die neuen Schnüffelgruppen war sie auch dabei. Eine besondere Herausforderung für Bine. Keine anderen Hunde (schaaade) aber ein Haufen Menschen. Ihre Unsicherheit hat sich schnell gelegt und rucki zucki hat sie Katja erkannt (Hey, die kenn ich, das Frauchen von Oskar und Anton) und ist ihr dauernd auf den Schoß gekrabbelt. Katja hat dann auch hinterher gefragt, WAS ICH BLOSS habe, der Hund ist doch harmlos. Nun ja.... :)
Die Luft hab ich angehalten, als sie zu einem jungen Mann gegangen ist, der ihr beherzt in die Halskrause gegriffen hat, sich nach vorne lehnte und ihr ins Gesicht schaute. Ich wollte ja nicht als Spielverderber da stehen und hab zwar innerlich angespannt aber äußerlich gelassen die Gruppe weiter zugetextet. Und siehe da, Bine ist näher gerückt und hat sich von allen in der Gruppe reih um streicheln lassen. Nur bei Katja ist sie wieder auf den Schoß gekrochen.

Hab ich nicht neulich noch geschrieben, hier ist alles Harmonie und Friede, Freude, Eierkuchen ? Scheint ab heute aufgehoben. Anscheinend hat Bine gemerkt, dass der Schnauzi nix zu sagen hat (genauso wenig wie sie selber) und somit auch keine Konkurrenz dar stellt. Jetzt versucht man auf direktem Weg Kanzlerin zu werden (hab ich sie zuviel Angela Merkel schauen lassen ?).
Als Lena vorhin das Wohnzimmer betreten wollte, ist Bine aufgestanden, hat sich nach vorne gebeugt und fixiert wie ein echter Border Collie (mit Travis darfste nie wieder spielen) und gebrummt, was das Zeug her gibt. Lena stand total verunsichert im Türrahmen und hat sich keinen Zentimeter bewegt. So was ist ihr ja noch nie passiert ! Bine kam brummend, schleichend näher und Lena hat die ganze Palette von Turids Beschwichtigungssignalen ausprobiert um klar zu machen, dass sie nicht streiten, sondern auf dem Sofa pennen will. Sie hat zur Zeit geschaut, sich nicht bewegt, vorsichtig gewedelt, sich über die Nase geleckt, den Körper abgewandt usw.
Hat nix genutzt, der Holly wollte nicht dass sie rein kommt. Bine hat gebrummt bis sie bei Lena  war, dann die T-Stellung eingenommen, die Rute hoch und dem Südharzer ins Gesicht geschaut und den Weg versperrt. Lena wäre am liebsten im Erdloch versunken. Nachdem Bine dann doch endlich den Weg frei gemacht hat und Lena versucht hat zum Sofa zu kommen, ist Bine plötzlich eingefallen, dass sie Lena mag. Sie hat ihr also die Lefzen geleckt (igitt), Vorderkörpertiefstellung eingenommen und sich immer wieder auf den Boden platschen lassen. Lena hatte das Sofa als Ziel fest im Blick und ging des Weges, als der Holly schon wieder angefangen hat zu brummen. Aber jetzt gab's für die Dicke kein halten mehr. Ruff auf's Sofa, einmal gestöhnt, ausgestreckt und eingedöst und das Lütte steht da und weiß nicht mit wem es streiten soll. Ein bisschen schizophren ist sie ja dann manchmal doch.....

Nachdem ich heute Antijagdgruppen und 3 Nasengruppen im Wald hatte, davon ca. 2 Stunden nass geregnet bin, fühle ich mich jetzt entsprechend ausgelastet genug um sofort ohnmächtig ins Bett zu stürzen. Ach ja, ich fühle meinen linken Fuß kaum noch, aber wozu braucht man schon linke Füße ?

In diesem Sinne, ohnmächtige Grüße und bis die Tage,
Dagmar

11. Oktober 2005
So. Ha. Gestern und heute hat sich die Bine dann mal wieder als richtiger Frauchenhund erwiesen. Nicht dass ich dran gezweifelt hätte :)))

Gestern Abend hat sie immer so an ihrer Hühnerbrust herum geschnäbelt. Wir wollten grade ins Bett gehen und Jörg hatte schon wieder so ein panisches Parasitengesicht *lach*. Meinst Du die hat Flöhe, wollte er von mir wissen. Ich hab erst mal nachgesehen und siehe da, an der Stelle an der sie versucht hat zu knabbern hing eine zwar schon tote, aber immer noch festgehakte Zecke. Jörg hat die genialen Zeckenhaken geholt und währenddessen hat sich Bine zum ihm umgedreht. Noch während er fragte "Welchen brauchst Du denn, den Kleinen oder den Großen", hab ich gesagt: "Och mach du mal sie schaut grade in Deine Richtung".

Als ich schon gesehen habe, wie er sich Bine genähert hat, wusste ich wie das ausgeht. Beschwörende Beruhigungsworte gemurmelt, dabei starr nach vorne gebeugt plus langsame Bewegungen wie eine Weinbergschnecke. Bines Adamsapfel ist vor lauter Aufregung gehüpft. Jörg war mit dem Haken noch nicht mal in Halsnähe, da hat sie gebrummt wie ein Braunbär. Beide haben sich furchtbar erschrocken und (sorry, ich bin ein Schwein) ich musste wie verrückt lachen. Bine war mit eingeklemmter Rute erst mal in den Flur gestürmt und hat wahrscheinlich gedacht, sie soll bei lebendigem Leib ohne Narkose operiert werden.

Ich hab immer noch lachend (ging nicht anders) den Haken genommen und aufs Bett geklopft. Bine kam ziemlich erleichtert angesprungen und hat mir erst mal das Gesicht geleckt. Ich hab sie den Haken beschnüffeln lassen. In aller Ruhe. Dann hab ich "warte" gesagt und ich dulde einfach keinen Widerspruch. Basta. Ich hab sie nicht mal festgehalten. Mit einer Hand nach der Zecke getastet, mit der anderen angesetzt und raus gedreht. Ging wunderbar. Als wir fertig waren hat Jörg leicht geknickt die Zecke entsorgt und Bine hat vor dem Kühlschrank gewartet. Bei uns gibt es ein ungeschriebenes Gesetz. Auch die kleinsten hundlichen Operationen werden nach erfolgreichem Verlauf mit etwas aus dem Kühlschrank bezahlt. Lena ist gleich mitgekommen, obwohl wir bei ihr gar nichts zu operieren hatten :)))

Danach hab ich Bine und Jörg noch ein bisschen ausgelacht und Herrchen hat mir ihr das Spiel: "Ich kann Dich überall anfassen, ich hab Dich bezahlt", gespielt. Klar, kann er auch. Wenn sie tatsächlich nichts hat :)))))
Ich hab das Spiel ja in der Zwischenzeit schon öfter beobachtet, egal ob es um Zecken geht, Hosen anziehen in der Läufigkeit oder Pfotenkontrolle. Jörg wird dann aus Erfahrung ganz anders, super vorsichtig und Bine auch. Sie brummt schon vorsorglich, weil er sich so komisch benimmt. Er schmeißt dann die Arme hoch und Bine ergreift die Flucht.
Damit wir uns nicht falsch verstehen. Ich hab vollstes Verständnis dafür, dass ein so reaktiver Hund wie Bine, sich in 1. Linie auf sich selbst verlässt. Dass sie brummt und sagt: Ich fürchte mich" oder "Mach das nicht" bzw. "was willst du" finde ich legetim. Wenn man nicht erklären kann was passiert ist Misstrauen doch ganz normal. Lena und Banja haben sich schon immer ergeben auf die Seite gedreht, ich bezweifle aber nicht, dass sie sich häufig in solchen Situationen ebenso unwohl fühlen. Sie sind aber auch ganz andere Hundetypen als Bine. Und von letzterer lernt man einfach als Mensch am meisten.
Wie gesagt, dass sie brummt, finde ich weder bedenklich noch anstößig. Ich weiß aber, dass mein Hund mich niemals NIE beißen würde. Ich habe ein totales Vertrauen zu ihr. Es hat bei Bine sehr viel länger gedauert, als bei den Großen, bis wir eine Einheit waren. Jetzt aber sind wir eine und ich vertraue ihr blind ! Genau als dieses Vertrauensgefühl sich eingestellt hat, hat Bine aufgehört mich in solchen Situationen anzubrummen.

Wenn ich es mir recht überlege, war es zwischen den Hunden auch so. Es gab ja eine Zeit, in der Bine sehr viel geknurrt hat und so aussah, als wollte sie den Chefposten. Sie hatte eine Nulltoleranz was drängeln, bellen oder Nähe von Lena und Banja anging. Das kommt jetzt gar nicht mehr vor und ist Vergangenheit. Egal ob Banja sich genau neben sie kracht, die anderen hoch springen wenn sie schon irgendwo liegt oder was auch immer. Sie ist die Gelassenheit in Holländerperson. Wir sind eine Familie *freu*

Heute Morgen dann, war Jörg vor der Arbeit mit den Hunden draußen. Er kam hochrot und schwitzend wieder rein. Im Garten saß unter dem Birnbaum ein Igel und das reicht um Bine hysterisch werden zu lassen. Dass sie dann einen Köttel absetzt, ist undenkbar. Sagt Jörg.
Eigentlich ist das kein Problem, weil meine Schwiegermutter sie dann eine Stunde später wieder raus lässt. Trotzdem wollte ich nicht, dass sie vielleicht einhalten muss. Also bin ich im Dunklen noch mal mit ihr raus und sofort war sie wieder beim Igel. Der lag natürlich fest eingerollt im Gras und Bine hatte ihre quietschende Protestbelle auf Lager. 1 Minute hab ich versucht ihr zu zeigen, dass der Igel ganz okay ist, indem ich ihr immer wieder angeboten habe, mit mir zu schauen. Keine Chance, Hysterie. 
Frühmorgens, noch vor dem 1. Kaffee bin ich nicht wirklich nett. Eher ungenießbar. Also hab ich mich weiter weg gestellt und den Garten besehen. Wenn Bine zum Igel rannte, gab es dass Abbruchsignal. Das befolgt sie immer, so auch heute. Kam sie zu mir, hab ich sie wieder zum Igel geschickt. Nach einer weiteren Minute, rannte sie still zum Igel bekam ein verbales Lob, kam zurück, wir haben uns gefreut und dann durfte sie wieder hin.
Ich hab sie geschickt bis es ihr zum HALS hinaus hing (mir auch), dann hat sie ihren Haufen gemacht und wir sind friedlich und leise von dannen gezogen. Klar, dass ich viel zu spät auf der Arbeit war ;(( Man gut, dass wir Gleitzeit haben. Und was haben wir daraus gelernt ? Igel sind doof und anstrengend :)

In diesem Sinne, Frauchen-Grüße und bis die Tage,
Dagmar

07. Oktober 2005
Ihr dürft Halbtagskraft zu mir sagen :))

Wow, ist das klasse. Ich kann es selber kaum glauben, dass ich jeden Mittag meine Tasche packe, die Jacke anziehe und einfach so verschwinde, während alle anderen da bleiben müssen. Ist das obercool. Die Hund sind völlig verdutzt, wenn ich schon um kurz nach halb 2 vor der Tür stehe. In den ersten Tagen waren sie richtig gehend schlafmützig, weil sie sonst um die Zeit wohl immer pennen. Dazu kommt dieses herrliche herbstliche Wetter. Was will man mehr.

Nach 2 oder 3 Stunden Zuhause hab ich ein viel besseres Gewissen wenn ich meine Mädchen alleine lassen muss und ich bin viel entspannter und motivierter in den Stunden. Von mir aus könnte es so bleiben. Ich denke also vorerst mal nicht an Ostern und den Eintritt in eine wieder ganztägige Beschäftigung. Ist ja noch soooo lange hin, wer weiß was bis dahin alles passiert ?!

Und es gibt noch mehr gute Neuigkeiten. Egal was da nun wettermäßig so kommt, wir sind fein raus. Jawohl, ich habe eine Halle. Der Name trifft es übrigens ganz gut, es sind über 700 qm. Ich hab sie neulich der Astrid gezeigt und sie war auch baff erstaunt, wie GROSS das ist. Da kann man tanzen, rennen, verstecken spielen. Unheimlich riesig. Da nebenan geheizt wird, ist es sogar nicht mal bitterkalt, selbst wenn es draußen klirrt und friert.  Wir freuen uns riesig darüber ! Und die immer früher einsetzende Dunkelheit ...pfff. wenn störts ? *gg*

Bine ist momentan total gut gelaunt und zu allen Schandtaten aufgelegt. Gestern morgen hat sie wieder dem Jörg hinterher geräumt. Der hat dummerweise eine Folie liegen lassen, in der vorher eine Leberwurst eingewickelt war. Als ich nach Hause kam, hab ich mich gewundert, was da überall für Fetzen rum liegen. Ich konnte es nicht enträtseln. Erst abends als er nach Hause kam und ich ihm das komische durchgekaute Papier gezeigt habe.
Wer kann so was auch schon wiederstehen ? Die Bine jedenfalls nicht. Glücklicherweise ist sie eine erfahrene Reinigungskraft. Die Zeiten in denen sie sich wahllos alles in den Bauch geschoben hat, sind vorbei. Es wird zwar mit dem Maul ganz genau untersucht, durchgelutscht und ausprobiert, aber nicht gegessen. Ich erinnere mich mit Schrecken an die Zeiten in denen sie knisternde, farblose Haufen gekackt hat, die ausschließlich aus Mon Cherie Papierchen bestanden haben *schluck*

Gestern haben wir ein lustiges Reinigungskraft-Spiel gespielt. Ich hatte Leckerchen auf dem Tisch und habe 1000 zerknüllte Ferrero Küsschen Papiere auf den Boden geschmissen. Immer wenn die Bine eins aufgehoben hat und zu mir brachte, gab es ein Leckerchen. Im Nullkommanix war die Bude sauber :)) Besonders niedlich ist, wie eifrig sie bei der Sache ist, wenn aus Versehen ein Papierchen nicht in meiner Hand landet, sondern wieder nach unten purzelt. Sofort wird es wieder aufgehoben und sachte in meine Hand gespuckt. 
Bitte liebe Kinder, daheim nicht nach machen.......

Bine trägt jetzt auch immer öfter Sachen für mich. Wenn ich über die Straße gehe um mir Zigaretten zu ziehen, wartet sie auf dem Hof. Sobald ich wieder da bin, fordert sie die Schachtel ein und bringt sie nach oben. Genauso machen wir es mit der Zeitung und der Post. Am besten funktioniert es, wenn Jörg zusätzlich in der Wohnung ist. Ich stachele sie die ganzen Treppen an, es ja hoch zu bringen und dort zu ZEIGEN. Sie ist stolz wie Egon und trägt die Rute wie ein Warzenschwein ! Ist Jörg nicht da, spuckt sie manchmal vor der Etagentür aus. Oft hilft auch der Schnauzi, der auch tragen will und so Konkurrenz darstellt. Da hat die Beute für Bine gleich doppelten Wert. Immer öfter schaffen wir es bis vor den Kühlschrank, da machen wir dann Warenübergabe: Ich krieg die Post/Zeitung/Zigaretten und Bine erhält ihre Entlohung aus dem Kühlschrank.

Heute gab es erst mal Mecker für's Herrchen. Während seinen Fütterungen klaut Bine sich regelmäßig was aus Lenas Napf. Das läuft meiner bisherigen Politik zuwider. Nur weil Lena jeden Hühnerhals 17-29 x kaut und dabei in der Weltgeschichte herum schaut, soll sie trotzdem in Ruhe fressen können. Bine braucht egal was im Napf ist 0,2 Sekunden. Dann hat sie aber trotzdem ihre Ration weg. Erst heute beim zusehen und nachfragen kam raus, dass Bine bei Jörgs Fütterungen immer klaut, bei meinen nie. Es gab dann einen kurzen Vortrag ans Gewissen mit den Schlagworten "alter Hund", "Futterneid" und "Fettleibigkeit" und ich hoffe das Thema hat sich erledigt.

Ansonsten sind die Strolche alle wohl auf. Sie fressen immer noch jeden Tag Birnen und die kühleren Temperaturen lassen die älteren Mädels wieder richtig aufblühen.
Nur Mimi macht mir etwas Sorgen. Im Januar feiert sie ja ihren 18 Geburtstag. Blind ist sie geraumer Zeit. Wenn man das nicht weiß, merkt man es auch nicht. Jetzt spielen ihr aber auch die Ohren langsam einen Streich. Morgens maunzt sie oft, weil sie Hunger hat. Dann konnte ich bisher immer noch durch schnalzen die Richtung angeben. Jetzt ist sie oft verwirrt und irrt umher ohne den Weg zum Napf zu finden. Ich gewöhne mir an, sie hin zu tragen, dann steigt ihr das Futter in die Nase und sie haut mit unvermindertem Hunger rein. Ihre Toilette benutzt sie noch gut und sie kommt uns häufiger abends besuchen. Solange sie keine Schmerzen hat, bleibt sie bei uns, ist doch klar. Allerdings schläft sie jetzt auch viel tiefer (na wenn man nix hört und es immer dunkel ist) und wacht nur auf, wenn sie durch Bodenvibrationen merkt, dass jemand kommt. Dann ist sie allerdings recht schnell auf den Beinen und bettelt um Futter. Hunger hat sie wie eh und je.

In diesem Sinne, fütternde Grüße und bis die Tage,
Dagmar