Zur Erinnerung an....
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Rico |
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Rico 31.07.93 – 10.04.04 Wie kam der beste Hund der Welt zu mir? Da
in den umliegenden Tierheimen kein passender Kandidat für mich saß,
verhalf ein Kleinanzeigenblättchen mir zum Hund. Ein junger Mann hatte
nicht gewusst, dass Rüden mit 15 Monaten schon zeugungsfähig sind und
nun hatte er einen Wurf Mischlinge in der Küche liegen. Vater Schäferhund-Rottweiler,
Mutter Beagle-irgendwas, 7 kleine Rüden, alle gleich fidel, welchen
sollte ich nehmen? Drei waren rappelschwarz, so schwarz wie Judy, der
Hund meines Bruders – ungünstig befand der Familienrat, da kann man
im Augenwinkel nicht erkennen, wer da gerade Unfug treibt, einer war
schneeweiß, toller Kontrast zu Judy, aber schon anderweitig
versprochen, einer schwarz-weiß gefleckt, aber er hatte bei der Geburt
sehr lange gebraucht, lieber nicht. Blieben zwei schäferhundfarbige,
davon wählte ich den dunkleren. Übergabe
sollte mit 8 Wochen sein, aber schon zu Beginn der 7.ten kam ein Anruf,
ob wir nicht vielleicht jetzt schon... die Mutterhündin wäre am Ende
ihrer Nerven, hat schon Aufbauspritzen bekommen, aber die Rasselband ist
zu viel und da alle Welpen zu anderen Hunden vermittelt sind, befürwortet
der Tierarzt die frühe Abgabe. Klar, warum nicht, also auf nach
Dortmund und den Wurm geholt, Rico sollte er ab jetzt heißen. Rico
entwickelte sich zu einem sehr gelehrigen, freundlichen, verfressenen,
triebigen Hund, der nur zwei Schalterstellungen kannte 0 oder Vollgas,
nichts hat er je langsam gemacht. Rennen und Jagen waren seine
Leidenschaft, daher gefiel ihm wohl auch der Hundesport so gut.
Gemeinsam wurden wir mehrfach Meister im Geländelauf, später starteten
wir auch auf Schlittenhundewagenrennen, wo Rico vor dem Rad ziehen
durfte – und weil wir so schneller als zu Fuß waren, fand er es
gleich noch besser. An sein Freudengeschrei vorm Start, egal wo, können
sich viele noch erinnern, sie haben möglicherweise einen Hörsturz
erlitten – sorry. Die Hindernisbahn vom THS mochte Rico ebenfalls
sehr, da war er der absolute Wirbelwind, manchmal unter 9 Sekunden, wenn
nur Frauchen auch so schnell gewesen wäre, er ließ mich immer wie eine
Schnecke aussehen. Als
Hans Dampf in allen Gassen war Rico so immer noch nicht ausgelastet, als
Beutegeier hatte er auch Spaß am Schutzdienst und über diesen Sport
kamen wir ans Fährten. Suchen, das lag Rico im Blut. Und als wir dann
mit 7 Jahren zur Jagd gingen, da war er so richtig glücklich –
schnuffeln, rennen, hetzen hinter echtem Wild, geil! Dieses Leuchten,
dieses Feuer in seinen Augen als er das erstemal hochoffiziell ein
echtes Reh nachsuchen durfte – unvergleichlich! Mit
anderen Hunden kam Rico leider nicht so gut klar. Er hatte wohl ein
unsichtbares Schild „Haut mich!“ umhängen, denn er wurde schon als
Welpe von eigentlich normal verträglichen, gut sozialisierten Hunden
attackiert. In Folge entwickelte er sich zum Angstbeißer, was wir nur
mit viel geduldigem Training in den Griff bekamen, ganz wurden wir
dieses Mistrauen fremden Hunden gegenüber aber nicht los, dazu gab es
zu viele Zwischenfälle mit Der-tut-nix und Der-will-nur-spielen.
Trotzdem hat Rico sich auf Anhieb mit den Hunden der Mädels verstanden
(siehe für Mecki). Weniger harmonisch verlief es mit dem Drahthaar-Rüden
meines Mannes, den hat er erst mal richtig verhauen, doch nach 3
Tierarzt-Besuchen mit Basko konnten wir ab dann Rico zum Flicken
bringen, der Große hatte gelernt, sich zu verteidigen. Dankenswerter
Weise hat er Ricos letzte Wochen nicht schamlos ausgenutzt, sondern den
alten Mann in Ruhe gelassen – ob Rico auch so kulant gewesen wäre,
ich wage es zu bezweifeln. Ricos
beste Freunde waren von den Hunden: Judy, natürlich, Airdale Buster,
Spaniel Dusty, Cairn Fee, Collie Jalta, Golden Barney, Labbi-Mix Buster,
Schäferhündin Jade, Schäfer-Husky Mattis, Kromi Rena und nicht zu
vergessen Collie-Windhund Life. Von den Menschen: meine Familie, Andy,
Patrick, 2x Silke, Tante Eri und Onkel Hobble, die Mädels, Claudia,
Hannes, Sandra . Bei allen genannten konnte man ihm seine Freude über
ein Wiedersehen immer sehr deutlich anmerken, aber er hatte bestimmt
noch mehr. Von
welchem schönen Erlebnis mit meinem Rico soll ich berichten? Da waren
die schönen Stunden und Tage im Stadtpark – in den ersten Jahren
waren wir täglich bis zu vier Stunden dort unterwegs, die Turniere, die
Prüfungen, Kuscheln vorm Fernseher oder Kamin, Stadtbummel, Besuche bei
Freunden, Treffen mit den Mädels, Wanderungen, Urlaube in allen Herren
Ländern – Rico war ein echter Europäer D, NL, CH, A, I, H, CRO, SLO,
zusammen im Zelt, im Wohnwagen und Wohnmobil, beim großen
Familientreffen, gemeinsame Pirschgänge, Ansitze, Nachsuchen – sogar
die Besuche bei unserer Tierärztin Dr. Dienes, er liebte sie und konnte
nie schnell genug in die Praxis kommen. Wie Rico sich bei Mecki zur
Kugel vollgefressen hat, als Versuchshund in der Verhaltensforschung an
der Uni mitwirkte, bei der großen Drückjagd erfolgreich ein Handy
nachsuchte, die Kanutour auf der Lippe, Bergwandern in den Alpen und
Abruzzen...wir haben so viele tolle Dinge erlebt, gemacht, so viele schöne
Stunden gemeinsam verbracht. Ich könnte stundenlang schreiben. Aufregend
oder schrecklich war es, als Rico als Junghund unter eine geschlossene
Eisdecke tauchte und ich bis zu den Hüften ins Eiswasser ging, er sich
zur Feier meines Vordiploms mitten in der Nacht die Pulsader an einer
Scherbe aufschnitt, sich einen Ast ins Auge stach, mich vor einer Horde
Skins beschützte, im Wohnmobil fast von der Besteckschublade erdolcht
wurde, beim Abschnappen eines aufdringlichen Zwergschnauzer-Welpen
diesen fast ins Jenseits beförderte, da dieser einen Schock bekam, von
einem alten Mann mit dem Regenschirm verprügelt wurde und ich einen
Hechtsprung zu seiner Rettung unternahm, in die Tierklinik musste zur Klärung
des CES / Spondyloseverdachtes. Aber nichts war so schrecklich, wie das
Zusehen, wie der beste Freund verfällt und man nichts aber auch gar
nichts dagegen unternehmen kann, sehen wie die letzte gemeinsame Zeit
verrinnt, den Punkt zu erkennen, wann man entgültig Abschied nehmen
muss. Rico
hatte den Symptomen nach einen Hirntumor, der Verfall begann langsam über
Monate, doch dann ging es ganz plötzlich rasend schnell. Ich habe mir
sehr gewünscht, dass er einfach einschläft, aber sein Herz war noch
fit, ein Sportler. Als der ehemals so verfressene Zwerg auch die
feinsten Happen nicht mehr nahm, kam die ganze Familie inklusive Judy
und mein bester Freund Patrick zu uns, ich hielt Rico in den Armen und
Klaus, ein befreundeter Tierarzt, half ihm in die ewigen Jagdgründe –
es war Ostersamstag. Rico wurde „nur“ 10 ¾ Jahre alt. Rico
und ich, wir waren tief verbunden, kleinste Gesten, feinste Mimik
reichten zur Verständigung. Nie, nicht ein einziges Mal hat Rico mich
angeknurrt oder abgeschnappt, die Schnappschildkröten-Welpenphase mal
außen vor gelassen, ich durfte alles mit ihm machen – außer im
Gesicht manipulieren, da hat er sich nach der Augenverletzung immer
gewunden wie ein Aal, verständlich. Er war der beste Hund der Welt,
genau wie Tenno vor ihm – ich freue mich, sie eines Tages alle auf der
Wiese vor dem Regenbogen wieder zu treffen und gemeinsam mit ihnen hinüber
zu gehen. |