Lach- und Sachgeschichten


Ja, ich will

Es ist nun schon einige Jahre her, dass ich als Standesbeamtin gearbeitet habe. Eine Arbeit, die mir sehr viel Spaß gemacht hat. Nachdem die ersten aufregenden Trauungen vorbei waren (totale Unsicherheit auf meiner Seite, weil der Ablauf einer Trauung völlig frei gestaltet werden kann), hatte ich heraus gefunden, dass die meisten Paare viel aufgeregter waren als ich. Außerdem habe ich mich immer mit dem Gedanken beruhigt, dass ich an diesem Tag nicht die Hauptperson bin, sonder die heiratswilligen Paare. Darum war es für mich auch nie ein Problem, wenn die Angehörigen des Brautpaares den Vorgang filmen wollten, obwohl ich weiß, dass viele meiner damaligen Kollegen das gar nicht mochten. 

Sobald ich mir meiner Sache sicher war (so nach 4 oder 5 Trauungen) hat der Spaß richtig angefangen. Ich habe gemerkt, dass man den Leuten alles, aber auch alles abverlangen kann *lol* ! 

„Aufstehen“, „Hinsetzen“, „küssen“, „Aufhören“, “Aufstehen“, „Ringe tauschen“, „Hinsetzen“, „Nein, doch noch mal aufstehen“, „Ja sagen“ etc. 
Ich glaube ihr bekommt eine leise Ahnung wie viel Spaß mir der Job machte und wie gut ich ihn ausgefüllt haben ?*lach* 
Übrigens, durften die Leute zur Trauung ihre Hunde immer mitbringen......*seufz*
Ach was war das nett !  

Kommen wir zur eigentlichen Geschichte.

Bevor eine Trauung stattfinden kann, gibt es ein sogenanntes Vorgespräch. Dort wird geklärt ob alle Unterlagen vollständig sind und was zu beachten ist. Ich hab dort immer gefragt ob die Paare während der Trauung die Ringen tauschen möchten (ist nämlich freiwillig) und ob sie mir etwas privates erzählen, damit ich das in meine Rede mit einbauen kann. Der Termin für die Trauung wird besprochen und eben all’ solche Dinge. 

Bei einem solchen Vorgespräch saß ein total sympathisches Paar vor mir. Wir haben viel gelacht, die Atmosphäre war locker und ich freute mich schon richtig auf die Trauung.  

Als ein es ein paar Wochen später war es soweit.
Nun hat eine Standesbeamtin einiges mehr zu tun, als Trauungen und Vorgespräche zu tätigen (zumindest in kleinen Verwaltungen). Da müssen noch Urkunden ausgestellt werden, Namensänderungsanträge bearbeitet werden, Sterbefälle werden beurkundet, Abschriften und Eintragungen in die Familienbücher werden vorgenommen und noch so allerhand. Erschwerend kam hinzu, dass ich zu dieser Zeit auch noch Personalsachbearbeiter und EDV Ansprechpartner war.  

Es gab also allerhand zu tun und so war ich in der Regel morgens ganz normal gekleidet und habe mich für Trauungen auf der Damentoilette umgezogen. Am Tag an dem das sympathische Paar heiraten wollte, war wohl ziemlich viel zu tun. Ich habe mir kurz vorher noch etwas zu essen in den Mund gestopft, bin auf die Toilette hab mich in Windeseile umgezogen, den Raum geschmückt und die Unterlagen bereit gelegt.  

Dann ging es los und die Hochzeitsgesellschaft traf ein. Der Trend bei der standesamtlichen Trauung war und ist, möglichst viele Menschen mitzunehmen. So haben sich zeitweise 50 Leute und mehr in das Zimmer gequetscht. Auch diese Hochzeitsgesellschaft war nicht klein und so dauerte es einige Zeit bis Ruhe einkehrte, alle einen Sitz- oder Stehplatz gefunden hatten und die Kameras liefen.

Das Brautpaar allerdings hat mich ein wenig verwundert. Beim Herein kommen, schienen sie mir noch locker und erfreut. Kaum das ich sie begrüßt hatte, verwandelten sich ihre Gesichter in ausdruckslose Masken. Beide waren sehr starr und im ganzen Bewegungsablauf so seltsam verhalten.

Nun, dachte ich bei mir, sie werden schrecklich aufgeregt sein. Das kommt häufiger vor als man denkt und manches Paar macht auf dem Video eher den Eindruck als wenn es zur Schlachtbank geführt wird.  

Ich musste dann das Zimmer noch einmal verlassen um die Trauzeugen in die Unterlagen einzutragen. Kaum war ich aus dem Zimmer, ging Gemurmel und Gelächter los. Na ja, dachte ich bei mir, vielleicht brauchen sie die 5 Minuten um sich noch ein wenig zu entspannen.

Als ich den Raum kurz darauf wieder betrat, trat schlagartig Stille ein und ich begann mich jetzt auch ein wenig unwohl zu fühlen.  

Ich gemischten Gefühlen begann ich meine Rede und fühlte mich von Minute zu Minute merkwürdiger. War dies das sympathische Paar von vor 2 Wochen ? Die beiden starrten mich an ohne jede Gefühlsregung. Ich meine damit nicht, sie hörten aufmerksam zu, sondern sie starrten mich an ohne mir in die Augen zu schauen. Ich wende so einen kleinen Trick manchmal selber an, wenn ich jemanden nicht mag oder mich vor jemanden fürchte. Dann schau ich einfach nicht in die Augen, sonder die Stelle zwischen den Augen an. Das ist für den andere ziemlich komisch. Man wird angesehen und doch wieder nicht. Könnt ihr ja mal ausprobieren wenn ihr ein unangenehmes Gespräch führen müsst.

Die Hochzeitsgesellschaft war so leise wie keine zuvor. Kein Husten, kein Räuspern, kein Niesen, man hätte eine Stecknadel zu Boden fallen hören können. Und obwohl ich in der Regel nicht unter Verfolgungswahn leide, kam es mir so vor, als wenn alle nur mich ansehen und alle Kameras nur mich filmen.  

Ich riss meine Standartwitze und sogar ein paar Neue ohne auch nur ein schiefes Grinsen zu ernten. Absolut seltsame Atmosphäre herrschte da.  

Als ich endlich nach einer kleinen Ewigkeit an der Passage ankam, an dem das Paar mitmachen, also bestätigen muss, dass sie einander heiraten wollen, war ich erleichtert. 1. Waren es jetzt nur noch wenige Minuten bis zum Ende und 2. konnte ich die Leute ein bisschen „Aufstehen“, „Hinsetzen“ spielen lassen. Mein letzter Versuch, die beiden, nein, die ganze Hochzeitsgesellschaft doch noch zu lockern. 
Vergeblich.  

Genauso seltsam wie die Trauung begann, endet sie auch. Die ganze Gesellschaft verabschiedete sich super schnell. Auf dem Weg nach draußen waren dann plötzlich alle wieder in der Lage zu scherzen, zu lachen und zu reden.

Komisch, dachte ich, vielleicht habe ich ihnen einen Schrecken eingejagt oder sie dachten, man darf bei einer standesamtlichen Trauung keine Lebenszeichen von sich geben.  

Wie auch immer, ich war ziemlich geschafft. Nach einer halben Stunde, in der man irgendwie komplett und total im Interesse anderer Leute steht, ohne zu sehen, was sie von der Sache halten, kann schon ganz schön stressen.
Ich schleppte mich mit letzter Kraft auf die Toilette um mich wieder in die Alltagsklamotten zu pellen und stutzte beim Blick in den Spiegel.  

Was war das denn ?

Wie sah ich den aus ?  

Auf meiner Nase, thronte ein Stück Schokolade mit einem Klecks Karamell. 
Ohne das Karamell hätte man denken können, ich hätte ein überdimensionalen Leberfleck auf der Nase. Wie gesagt, ohne das Karamell, das leider total aussah wie Karamell. Mit Schokolade eben.  
Schlagartig war mir klar, dass die Hochzeitsgesellschaft nicht verkrampft, sondern versteinert war, weil sie sich sonst wahrscheinlich völlig unkontrolliert vor lachen auf dem Boden gewälzt hätten.

Nicht mal mein Gefühl ausschließlich gefilmt zu werden, hat mich getrogen. DIE HABEN MICH GEFILMT mit dem Stück Mars auf der Nase.........

Irgendwie nicht verwunderlich, dass die rechte feierliche Stimmung ausblieb. Ich wette die reden heute noch von der Standesbeamtin mit der Schokolade auf der Nase (und es war nicht wenig und saß Gemeinerweise mehr so unten, wo man es nicht mal aus den Augenwinkeln sieht).  

Ich weiß noch, dass ich an diesem Punkt auf der Damentoilette einen kompletten Lachflash bekommen habe. Ich hab mich gar nicht wieder eingekriegt, der Tag war total gelaufen.  

Das tragische Ende der Geschichte ist, dass ich den Namen der Brautleute im Lauf der Zeit vergessen haben und den Arbeitgeber wechselte. Ich würde meinen vorletzten wackeligen Backenzahn für eine Kopie des Videos geben........

 

"Fuchs und Hase" einmal anders

So, ihr lieben Leute. Der Alex, mein Kumpel, hat einen kreativen Beitrag geleistet, nehmt Euch ruhig ein Beispiel und 
her mit euren Peinlichkeiten.
Vielleicht trau' ich mich dann auch noch was zu erzählen !
Also Achtung, hier geht es los, eine rührige Geschichte um Freundschaft, Geschwindigkeit und Selbstüberschätzung, HA HA HA !!!

>>Vor einigen Jahren hatte mich das Lauffieber gepackt! Da ich schon immer einigermaßen sportlich war, machte ich Anfangs überraschende Trainingsfortschritte. So richtig Spass machte mir das regelmäßige Training aber erst, als ich erfuhr, dass ein guter Bekannter auch zu Joggen begonnen hatte und sich anbot mit mir gemeinsam zu laufen. Also begannen wir 2x wöchentlich unsere Runden zu zweit zu drehen. Ab und zu lief aber jeder auch mal alleine.  

Nach einigen Wochen gemeinsamen Trainings erzählte mir Toni, mein Trainingspartner, von einem Lauftreff in unserer Nähe, bei dem einige Bekannte von ihm dabei waren, die schon länger trainierten. Er war schon mal dort mitgelaufen und schwärmte mir von der "selektiven" Strecke vor.  

Beim nächsten Lauftreff verabredeten wir uns und ich fand mich am Start in Mitten einer  Gruppe hagerer sportlicher Gestalten wieder, deren professionelle Ausstattung vom turbogedämpften Spezialjoggingschuh bis zum ultraschweisssaugenden Stirnband hätten mich bereits auf das Schlimmste gefasst machen sollen, aber ich war guter Dinge und freute mich auf ein wenig Bewegung.

Toni stand im Getümmel vor mir, als wir mit einem burschikosen "Auf Geht’s" lostrabten. Bzw. "Losrannten", denn das Tempo war mir für den Anfang eigentlich ein bisschen zu schnell. Eigentlich ein bisschen VIEL zu schnell. Ok, das erste Stück wollte ich noch ein wenig mithalten, war doch der Weg so eng und das vielfältige Keuchen in meinem Nacken signalisierte mir, wie sehr ich das allgemeine Vorwärtskommen behinderte. Den Blick starr auf den Waldboden gerichtet liess ich mich von der keuchenden Horde weitertreiben. Nach einigen hundert Metren wurde der Weg zum Glück breiter und eine Gestalt nach der anderen übertrabte mich lässig. Wo war eigentlich mein Trainingspartner geblieben. Ich blickte suchend um mich und siehe da, er verschwand ein gutes Stück vor mir um die nächste Wegbiegung. "Toni, Toni" dachte ich bei mir, "ob dir das Tempo nicht ein wenig zu schnell wird!" Zu meinem Stolz muss ich erwähnen, dass ich zum damaligen Zeitpunkt stets um einiges besser unterwegs
war wie er und so liess ich auch diesmal nichts anbrennen. "Er kennt die Strecke ja schon", beruhigte ich mich und erhöhte mein Tempo. 

Toni lief in einer kleinen Gruppe vor mir, die sich anschickte die erste Steigung des Wegs zu meistern. Hey, das ging ja ab. Die Kerle sprangen den Berg hoch wie die Gemsen.  Ich biss die Zähne zusammen und spurtete hinterher, doch egal wie sehr ich mich anstrengte, der Abstand vergrösserte sich mehr und mehr. Nun packte mich der Ehrgeiz! Ich wollte, nein, musste Toni einholen. "Das kurze Stück noch bis zur Kuppe kann man ruhig eine kleine Sauerstoffschuld eingehen, wenn man so fit ist, wie ich", dachte ich bei mir und gab Gas. Hoppla, auf der Kuppe angekommen präsentierte sich die Anhöhe als kurzes Zwischenpodest vor dem eigentlichen Anstieg. Der Weg wurde steiler und zog sich in anmutigen Serpentinen noch ein gutes Stück bergaufwärts hin. Nichtsdestotrotz war die Gruppe vor mir noch immer gleich flott unterwegs, während mir bereits schwarz vor den Augen wurde. Irgendwann resignierte ich und begann mein Tempo dem Zustand meines Körpers anzupassen. Insgeheim verfluchte ich meinen Partner, ob des unvernünftigen Anfangstempos, dem ich jetzt Tribut zollen musste. Bisher hatten wir bei jedem gemeinsamen Training auf die momentane Befindlichkeit des Anderen Rücksicht genommen und gegebenenfalls die Geschwindigkeit verringert, wenn der mal nicht so gut drauf war. So wie ich heute! "Keuch! Schwitz!" Ich mühte mich den Berg hoch. Kurz vor dem Gipfel war meine Laufgeschwindigkeit unter Schritttempo gefallen und von hinten überholten mich nach und nach freundlich grüßende Frauen, die im gemütlichen Plausch an mir vorbeizogen.  

Das frustrierte mich vollends, aber ich konnte einfach nicht mehr schneller. Am anderen Ende des Berges fiel der Weg zum Glück wieder ein Stück ab und mündete unterhalb des kleinen Wäldchens in eine Strasse. Die Laufstrecke ging dort ein Stück entlang und ich fand einen mir angepassten gemäßigten Rhythmus. Allerdings war ich ziemlich einsam, verlassen von allen anderen Läufern, inklusive meines ungetreuen Partners und so trabte ich verdrossen die Strasse entlang. Der Schweiss lief mir in Strömen übers Gesicht, meine Lungen brannten, die Beine schmerzten, und meine Moral war ziemlich am Tiefpunkt, als ich hinter mir ein eigenartiges Geräusch vernahm. Ein angestrengtes Keuchen, das sich nicht sehr vom Pfeifen einer alten Dampflok unterschied. Da  war tatsächlich noch ein Läufer hinter mir unterwegs, der sich langsam aber stetig an mich heranarbeitete. Als das Keuchen unmittelbar hinter mir ertönte, wurde es plötzlich durch ruckartige ausgekeuchte Worte unterbrochen:   

"Ja, Kruzifix wos lafst du denn heit so schnei?"  

Ich erstarrte und blickte mich um! Tatsächlich, es war mein Trainingspartner Toni der sich verzweifelt an mich herangearbeitet hatte. "Ja, aber du warst doch da vorne!" stotterte ich. Ich versuch doch ganze Zeit hinter dir her zu rennen."  "Na, na. Du woast am Start glei so schnell weg, da hab i ka Chance g´habt!"  

Wir pfiffen beide aus dem letzten Loch und beschlossen übereinstimmend den Rest der Strecke in gemächlichem Spazierschritt zu absolvieren. Eine Viertelstunde später am Ziel der Runde trafen wir die bereits wieder ausgeruhten Profis und wirklich einer der Spitzensportler trug nahezu das gleiche Laufshirt wie Toni und hatte auch annähernd die gleiche Figur.

So hatte ich verzweifelt versucht in aberwitzigem Tempo meinen vermeintlichen Trainingspartner zu verfolgen, tausend Flüche auf den Lippen, weil er nicht auf mich warten wollte, während dieser in Wahrheit hinter mir das Gleiche durchlitt!   

Jedenfalls waren wir beide anschließend fix und fertig! <<

Vielen Dank Alex für Deine Mühe !!!!!

Kaffeeklatsch

1999 bin ich mit Jörg in unsere jetzige, gemeinsame Wohnung eingezogen. Wir haben bei meinen Schwiegereltern den Dachboden ausgebaut und waren sehr glücklich und vor allem Stolz auf das Ergebnis.  

Mein Arbeitgeber war zu diesem Zeitpunkt ein anderer und so habe ich dann 5 oder 6 der nettesten Kolleginnen zum Kaffeeklatsch zu mir nach Hause eingeladen.

Alles war ja noch so schön neu und sauber und ich fand den Zeitpunkt passend, den anderen mal zu beweisen, dass auch mit Tieren in der Wohnung nicht alles versifft sein muss. HA HA HA !!!!

Außer einer Frau (mit Katze) waren alle anderen tierlos und somit unbedarft was sie erwartete. Na ja, nicht ganz unbedarft, sondern es fielen hin und wieder auf der Arbeit schon Sätze wie: „das wäre mir zu schmutzig in der Wohnung mit den ganzen Haaren“ . Darum wollte ich für alle Tierhalter eine Lanze brechen und unser harmonisches Zusammenleben demonstrieren.

Dafür gab es einen ganz genauen Plan. Jörg sollte vor dem Eintreffen der Damen mit Lena und Banja spazieren gehen und heimkommen, wenn schon alle sitzen. Das hat den Vorteil, dass die Hunde nicht bellend Theater veranstalten beim klingeln, sondern herein kommen und sich über den Besuch freuen.

War also eigentlich alles klar. Eigentlich.
2 Tage bevor mein Kaffeeklatsch stattfinden sollte, wurde Mimi rollig (für Nicht-Katzenbesitzer: Bedeutet läufig, heiß oder meinetwegen vermehrungsfreudig), TROTZ Kastration. Anruf beim Tierarzt und der erklärte mir dann, dass das schon vorkommen kann, weil bei heutigen Kastrationen (von Kastration spricht man unabhängig vom Geschlecht der Tiere, wenn Organe, indem Fall Gebärmutter und Eierstöcke, entnommen werden) oft ein Stück Gewebe stehen gelassen wird, dass dann weiter minimal Hormone produziert und somit den Zustand für die Tiere nicht so belastend macht.

Mimi war aber schon 3 Jahre vorher kastriert worden, wegen einer eitrigen Gebärmutterentzündung und nie rollig geworden. Wir haben dann einfach versucht, für uns selber, den Umstand so zu erklären, dass Mimi mit mir aus einer ebenerdigen Wohnung ins Dachgeschoss gezogen war, mit vielen großen Fenstern, also viel Sonnenschein und Licht. Außerdem war gerade der Frühling im Anzug.

Wer sich jetzt an Mimis Vorstellung erinnert, der weiß das Attribute wie leise, lieb, anhänglich, verschmust und unauffällig treffen ihr Wesen umschreiben.

Ich habe sie in den ersten Jahren unseres Zusammenlebens auch rollig erlebt und fand sie einfach nur noch viel anhänglicher und verschmuster. Nachts hat sie hin und wieder ein bisschen Musik gemacht, da Kaffeeklatsch aber üblicherweise am helllichten Tag stattfindet, macht ich mir um Mimi keine Sorgen.  

Der Tag der Einladung war da. Ich managte rechtzeitig Jörgs Abwanderung mit den Hunden (mit der Maßgabe nicht vor einer Stunde wieder aufzutauchen) und erwartete meinen Besuch mit einem perfekt gedeckten Tisch, viel Kuchen und Kaffee.

Es gab ein großes „Hallo“ mit anschließender Wohnungsbesichtigung und ganz vielen Gesprächthemen. Wenn ich mich jetzt zurück erinnere, dann fällt mir ein, dass ich früher oder später den Satz erwartete, den viele tierlose Besucher fallen lassen, nämlich: Mensch, man merkt gar nicht dass ihr mit (damals noch) 2 Hunden und 1 Katze lebt. Die sind ja brav“.

Aber noch waren die Hunde ja auch unterwegs, zur Freude meiner Damen, die hinsichtlich der Begrüßung schon Befürchtungen hatten. 

Kaum saßen alle auf ihrem Platz, kam Mimi herbei. Mit leisem „mmeeeehh“, (sie kann kein „miau“) begrüßte sie die Runde und wurde bestaunt, aber nicht angefasst.

Das Gespräch schritt fort und ich konzentrierte mich voll und ganz auf die Konversation. Es bestand ja auch kein Anlass zu besonderer Aufmerksamkeit. Hin und wieder ertönte ein „Huch, Deine Katze ist unter dem Tisch“ oder „Hach, Deine Katze reibt sich an mir“. Dabei hab ich mir aber ehrlich nichts gedacht und gemeint, dass zumindest diesen Zustand auch der Nicht-Tierfreund ertragen können muss. Ich dachte ja sie schmust und reibt sich das Köpfchen an den Hosenbeinen.

Erst als eine meiner Kolleginnen nach eingehender Betrachtung der Katze mich fragte ob die Mimi krank sei, wurde ich aufmerksam. „Nein, wieso?“ wollte ich wissen. Schlichte Antwort „ Die macht so komisch“.

Ich hob die Tischdecke und fand eine freudig-überrascht aussehende Mimi, die zwischen den ganzen übergeschlagenen Beinen und Füßen herumwaten. Nichts auffälliges. Nochmalige Beteuerung, dass es eine gaaaanz liebe, schon ältere Katze ist.

Weitere Zeit verging und alles lief wie geplant. So was mag ich.

Dann wieder ein Ausruf: Mensch, schmusen denn Katzen so ?“

Wieder ein Blick unter den Tisch und Mimi in Aktion erlebt. Sie schrubbelte doch tatsächlich ihren kleinen Po an den Schuhspitzen der Damen, tretelte dabei wie wild mit den Hinterbeinen (mit den Vorderbeinen lag sie auf der Erde) und sah im Gesicht gar glückselig aus.

Ich fand es nun doch an der Zeit den medizinischen Zustand von Mimi zu erklären, damit hier keine falschen Schmusegewohnheiten von Katzen die Runde machten. Hatte ich eigentlich weibliche Solidarität erwartet ? Oder Mitleid ? Oder Verständnis ? 
Der Erfolg meiner Aufklärungskampagne war betrüblich. Alle Anwesenden nahmen sofort geziemlicht ihre Beine und stellten beide Füße korrekt auf den Boden. Wollten sie doch ihre Schuhe nicht als Lustobjekt benutzt wissen.

Für Mimi hingegen brach eine Welt zusammen. Schluss mit lustig, an Hosen-, Stuhl- und Tischbeinen rubbelt es sich einfach nicht so gut wie an Schuhspitzen. 
5 Minuten war Ruhe und dann mutierte mein braves Stubentigermädchen zu einer sexbesessenen Katzendomina, die den Geschlechtsakt mit dem Schuh durch lautes Wehklagen erzwingen wollte. 

Erstaunte Blicke oberhalb des Kaffeetisches und dann senkten sich 6 Köpfe, hoben die Tischdecke und schauten unter dem Tisch, was da los ist.

Freudiges Schnurren von Mimi, Schnurrhaare die vor Erregung zittern und ein steil aufgerichteter Schwanz. Im Gesicht ganz deutlich geschrieben „GEBT MIR SCHUHE“. 
Als sich alle wieder aufgerichtet und dem Kuchen zugewandt hatten, erfolgte der nächste markerschütternde Schrei: "MMMMEEEEEHHHHHH".

Konnte ich von meinen Gästen wirklich erwarten, dass sie meiner Katze zuliebe, die Beine wieder übereinander schlugen ? Nee, ich hab mich nicht getraut. Hab zwar kurz an mich selbst gedacht, sozusagen mit gutem Beispiel voranzugehen, aber nachdem ich im Mittelpunkt des Interesses stand, hab ich mich irgendwie nicht getraut. Hätte doch sofort jede gewusst, dass ich meinen Schuh zum rubbeln anbiete. MENNO, wir wollten doch einen guten Eindruck machen.

Ich hab praktisch über nichts anderes mehr geredet als das Mimi „eigentlich“ eine ganz Liebe ist, „eigentlich“ total ruhig und das „eigentlich“ die Rolligkeit ganz anders verläuft *stöhn* !  

Mit jeder weiteren Minute die verstrich, in der Mimis Verzweiflung wuchs oder vielleicht auch der Sextrieb überhand nahm, wurden die Schreie lauter. Immer wenn ich dachte, lauter geht’s nimmer, legte sie noch ein paar Dezibel zu. 
Was habe ich Jörg und die Hunde herbei gesehnt.

Jörg hat sich brav an die Vorgaben gehalten und ist sogar 1 ½ Std. spazieren gegangen. Ich habe unten seine Ankunft gehört und alle schon mal auf Banja und Lena vorbereitet, von denen ich wusste, dass sie gleich wie eine Horde Elefanten ins Wohnzimmer einfallen. 

Sind sie dann auch, aber wie sahen die Hunde aus ???

Von oben bis unten bematscht und total nass. Ich dachte ich traue meinen Augen nicht. Hinterher kam ein völlig rotangelaufener, ebenfalls bematschter Jörg, dem die Hunde aus dem Keller abgehauen waren, wo sie zur Säuberungsaktion geparkt standen.

Zwischenzeitlich hatte Banja einmal ihren Bart auf meine weiße Tischdecke gelegt um zu gucken WAS für Kuchen es gibt. Sie hat da nämlich ganz besondere Vorlieben.

2 Damenblusen mussten ebenfalls dran glauben, als Banja sich überlegte doch mal persönlich "Hallo“ zu sagen. Aaaaaahhhhhh.

Während ich noch verzweifelt versuchte diesen fiesen verschmierten Bart auf vier Beinen stimmlich unter Kontrolle zu bekommen, wurde ich von pumpenden Geräuschen abgelenkt. LENA.
Gleichzeitig versuchte Mimi sich an Jörg zu reiben und der, die Hunde mit nach unten zu nehmen.
 

Pumpende Geräusche müssten den meisten Hundehaltern doch ein Begriff sein, oder ? So hört es sich an wenn „der beste Freund des Menschen“ seinen Mageninhalt in umgekehrter Reihenfolge wieder zum Gesicht heraus leitet. Das schlimme daran ist, man weiß genau was folgt, kann aber rein gar nichts mehr daran ändern. Lena lässt sich während des Würgens weder irgendwo hinbringen, noch kann man ein Zewa oder Küchenhandtuch hinlegen damit sie drauf göbelt, weil sie sich mit tief gesenktem Kopf und pumpendem Körper durch die Wohnung bewegt.

Verzweifelter Blick von mir, Achselzucken von Jörg. Schon klar, waren ja nicht seine Kumpels die da saßen.

Noch während meine Kollegin fragte: „ach je, hat sie Husten“, göbelte Lena die 1. Portion auf die Fliesen. Nicht alle Leute sind so hartgesotten wie Hundehalter und ich sah eine Menge heftigster Schluckbewegungen am Tisch. Ich sah auf den Fliesen ein Gemisch aus, etwas angedautes Trockenfutter und Schleim, der dazu übliche, säuerliche Geruch hing in der Luft.

Gabeln wurden gesenkt, Kuchenteile verlegen hin und her geschoben, als Lena ein zweites und drittes Mal  „auspackte“ . Nicht ohne vorher eindrucksvoll und ausgiebig zu würgen.
Apropro würgen, ich hätte die ganze Bande erwürgen können. 

Nachdem Jörg die Hunde eingesammelt hatte (Mimis Schreie waren in den Würggeräuschen untergegangen, dafür hört man sie in der folgenden Stille wieder deutlich) trat eine peinliche Stille ein. während ich hektisch versuchte, die Kotze aufzuwischen.

Ich entsorgte alles, öffnete Fenster, wusch und desinfizierte meine Hände (mach ich nur wenn ich Besuch hab *hihi*) und beeilte mich, zur schweigsamen von Katzenschreien begleiteten Gesellschaft zu kommen.  

Ich bemühte mich redlich, in lockerem Ton, die Damen wieder ein bisschen zu bespaßen UND davon zu überzeugen dass es bei uns nicht immer so zugeht. Nein, wirklich nicht, alles total ungewöhnlich heute. Seltsam ! Die meisten haben mir nicht geglaubt .... 

Kuchen wurde keiner mehr gegessen und wir hatten gerade ein neues Thema angeschnitten (ganz ohne Tiere, wer braucht schon TIERE ?) als die Hunde sauber, aber immer noch wie eine Horde Elefanten zum zweiten Mal ins Wohnzimmer stürmten. Lena die vorher verhindert war, holte ausgiebig die Begrüßung jeder einzelnen Anwesenden nach.

Nach den ersten 5 aufregenden Minuten für die Hunde, wurden sie ruhiger und Lena legte sich auf ihr Kissen, während Banja an meinen Füßen Platz nahm. 

Mimi, voll neuer Hoffnung, wendete sich Lena zu, um die Chancen abzuwägen, wie es mit einer eventuellen Begattung aussieht. Lena, begeistert von so viel Zuneigung sprang auf, schnüffelte Mimi am Po und begann dann auch gleich begattungsähnliche, ruckende Bewegungen mit dem Körper auszuführen.

Nachdem ich der Kaffeerunde Rede und Antwort gestanden hatte, was Lenas Luftbegattung an Mimi zu bedeuten hatte (was eigentlich ? Hab meine damalige Ausrede vergessen) und klar war das der Hund weder ein Rüde, noch Epileptikerin, noch alterssenil ist, hört ich unterhalb des Tisches ein leises „pfffffffttttt“.  

Aaaaaahhhhhhh, das war wirklich alles was an diesem Tag noch gefehlt hatte. Banja hatte gefurzt. Schnauzerfürze sind gefürchtet in unserer Familie. Ich weiß nicht warum sich Tausende von Wissenschaftlern den Kopf über biologische Waffen zerbrechen. Diese Gasabsonderungen von Banja eingefangen und nachgebildet, sind so ziemlich das Schrecklichste, was ich mir vorstellen kann. Ich hab in Physik nicht wirklich aufgepasst, deshalb weiß ich auch nicht, warum sich so ein Schnauzerfurz so langsam in der Luft ausbreitet. Ich weiß nur, dass man das Gefühl hat, er zieht NIE wieder ab.

Banja hat dann dezent den Platz gewechselt, um sich beim Hinlegen am anderen Ende des Tisches, gleich noch einmal zu erleichtern. Für alle Unwissenden kurz umrissen, man hat das Gefühl, dass die Geruchs- und Geschmacksnerven gleichzeitig den Geist aufgeben und absterben. Kurz darauf wird man blind und bekommt nach ca. einer viertel Stunde hämmernde Kopfschmerzen, wenn einem dann erst Schaum vor dem Mund steht, man den Verlust von Muttersprache und Motorik beklagt (wenn man könnte, aber geht ja ohne Muttersprache nicht), dann tritt auch recht bald der erlösende Tod ein. Oder man macht einfach 3 bis 5 Fenster auf und Durchzug.  

Meine Damen fanden die Erkenntnisse wie Hund von innen riecht, wohl interessant, mussten dann aber seltsamerweise alle gleichzeitig und SOFORT nach Hause ! „Nee, war nett, aber mein Mann wartet“, „Du hast es wirklich sehr schön und Deine Tiere sind....nett“, „Netter Nachmittag, aber was meinst Du, besuch doch nächstes Mal Du mich, hm ?“  

Ich geleitete meine geschätzten Kolleginnen um und über die kopulierende Mimi und Lena, zwang den Schnauzer dazu, in seinem eigenen Mief sitzen zu bleiben und fühlte mich irgendwie.......fehlbar ? Unperfekt ? Chaotisch ? Unnormal ?

Eben anders als die Anderen. 

Aber mal ehrlich, wollen wir das nicht alle ? Herausstechen und alles andere sein als Gewöhnlich ?
Und als ich die Treppe wieder hoch kam und in 3 Gesichter blickte (Jörg hatte sich nach draußen verzogen, weil er das Elend nicht mehr mit ansehen konnte) die mich anstrahlten.....da fühlte ich mich auch dreifach geliebt.

Und, um meine Hausfrauenehre wieder herzustellen:

BEI MIR KANN MAN VOM BODEN ESSEN.....

da findet man immer was J J J !!!!

 

Lena

Noch ein paar kurze Lena Stories aus ihrer wilden Phase im 1. Jahr.
Damals habe ich immer behauptet, der Hund hat einen Magen wie ein Pferd.
„Ja, ja“, sagten viele liebe Mitmenschen, kenne ich, hat mein Hund auch. Trotzdem hat Lena viele Dinge gegessen, die andere Hunde nicht verkraftet hätten.
Beispiele gefällig ?

Meinen Sessel.

Jawohl. Ich weiß noch wie ich die Haustür aufschloss und völlig fassungslos im Wohnzimmer stand. Lena hatte mein kommen gar nicht bemerkt, weil sie bis zu den Schultern in meinem Sesselbezug verschwunden war und sich den Bauch mit Schaumstoff vollgeschlagen hat. Der Rückenbezug war aufgeschlitzt, sie stand auf der Sitzfläche und Kopf, Vorderbeine und Schultern meines Hundes steckten im Sessel, aus dem wildes Gezerre und Geknurre ertönte. 
So ähnlich muss es sein, wenn sie eine Gazelle erlegt und ausweidet; nur unblutiger.

Ich war so geschockt, dass ich zu gar keiner Reaktion fähig war, sondern zum Sessel ging und ihr auf den Rücken tippte. Sie hat sich ganz furchtbar den Kopf angehauen, weil sie sich so erschreckt hat (was mir bis heute kein bisschen leid tut *g*) und sich dann riesig über meine Heimkehr gefreut. 

"

 An einem anderen Tag kam ich nach Hause und erkannt meinen Hund gar nicht wieder. Lena ist von der Fellstruktur ähnlich wie ein Retriever, also eher weiches, langes Haar. Der Hund der mich begrüßte sah aber aus wie ein Fischotter. Alle Haare anliegend und irgendwie fettig schimmernd, lackschwarz. An Kopf und Ohren stand nicht ein Härchen ab. Total sicher, dass es NICHT mein Hund ist, war ich dann, weil der „neue“ Hund so gut gerochen hat. Irgendwie nach Pfefferminz. Lecker.

Später habe ich dann die Dose Vick Vaperup (ein Mittel mit dem man sich bei Erkältung Brust und Rücken einschmiert) gefunden. Der Deckel war abgebissen und der Inhalt gleichmäßig auf Hund und Teppich verteilt. Was soll ich sagen ? Lena hatte nie eine Erkältung J ! 

"

Kurz vor Weihnachten kam ich nach Hause und schloss die Tür auf. Lena saß total still und leise in der hintersten Ecke und sah mich nur an. Ich ging in die Hocke, schmetterte „Lena...KOMM Süße“ und nichts tat sich.
Aufgrund Lenas Krankengeschichte, die sie leider schon in so jungen Jahren hatte, habe ich sofort mit dem Schlimmsten gerechnet.

Ich lockte mit sanfter, besorgter Stimme und der Hund fing an zu wedeln, aber nicht rhythmisch. Hu, wie beschreibe ich jetzt auf dem Papier ein nicht rhythmisches Wedeln ? Na normalerweise wedelte sie so: links, rechts, links, rechts usw.

An dem Tag ging die Rute ungefähr so: mitte (klopf,klopf), links, mitte, rechts, links, mitte, rechts, rechts, im Kreis......

Ich war jetzt doch ernsthaft besorgt und forderte weinerlich „Komm mal her mein armer Schatz“. Lena stemmte die Vorderbeine in den Teppich und hatte total Mühe den Hintern hochzuheben. Es gelang nur mit tierischer Anstrengung. Da war meine Fantasie dann schon bei Lähmungserscheinungen, Bandscheibenvorfällen etc. angekommen.

Lena wankte auf mich zu, bemüht mit letzter Kraft das Frauchen zu erreichen und lief voll gegen den Sessel. Ich meine nicht irgendwie mit der Schulter sondern mit dem Kopf. Volle Breitseite.
Wehe ihr lacht !

Da war es dann um meine Fassung geschehen und ich vermutete Hirnschlag, Schlaganfall, Epilepsie und andere schreckliche Dinge und war auf dem Weg zu meinem Hund. Ich kniete mich nieder, nahm ihren Kopf auf meinen Schoss (ich hab als Kind viel Lassie gesehen) und versprach ihr, den letzten schweren Gang mit ihr gemeinsam zu gehen. Je tiefer ich mich beugte, der Hund schnaufte zwischenzeitlich ganz schön und ich dachte es geht zuende, umso mehr nahm ich einen Geruch war, der mir bekannt vorkam. Kurze Geruchskontrolle an der Schnauze meines Hundes und dann hab ich ihren  Kopf empört auf den Teppich plumpsen lassen.

SCHNAPS ! Grrrrr.......

Beim weiteren umsehen, war dann der Ablauf der Geschichte schnell klar. Ich hatte mehrere Packungen Mon Cherie auf dem Schrank stehen gehabt, die mein Hund alle brav ausgepackt hatte (ist denn schon Weihnachten ?). Bei den Pralinen selber hat sie sich dann keine Mühe mehr gemacht, sie hat sie einfach mit Papier gekaut. Dabei ist dann mehr oder weniger nur der Schnaps rausgelaufen und gleich hat sie sich die nächste vorgenommen. Solange bis sie stramm wie eine Haubitze war. Der Teppich war übersät mit zerknetschten Pralinenpapierchen aus denen noch Schokoladenschmiere triefte.

Unser Tierarzt, dem solche Anrufe von mir nicht fremd sind, hat gelacht und gesagt er verordnet 1x ausschlafen und keinesfalls 
soll der Hund am nächsten Tag damit weitermachen womit er abends zuvor aufgehört hat. Fröhliche Weihnachten.

 "

Am nachdrücklichsten ist mir folgendes Erlebnis in Erinnerung:

Ich kam von der Arbeit nach Hause und nichts war kaputt, der Hund machte einen fröhlichen, gesunden Eindruck. Hurra, alles bestens.
Eine Stunde später piepste mein Wecker, weil es an der Zeit war die Pille einzuwerfen. Also zum Schrank, ins oberste Fach 
gefasst und ins Leere gegriffen. Nanu ? Genauer nachgesehen und angestrengt überlegt wo ich die 3 Monatspackung abgelegt haben könnte.

Ich wusste genau, dass ich einen Tag zuvor eine niegel-nagel-neue Packung aus der Apotheke gekauft hatte. Allerdings vertraute ich mir selber nicht so sehr, ich bin manchmal sehr schusselig. Wie schusselig sieht man daran:
Ich hab mal Schmutzwäsche in der Hand gehabt die ich in den Wäschekorb werfen wollte und musste gleichzeitig dringend auf’s Klo. Ich kam wieder zu mir, weil es auf dem Wäschekorb ziemlich unbequem war, während meine schmutzigen Socken im Klo schwammen *räusper* ! Sicherheitshalber also noch mal die ganze Wohnung auf den Kopf gestellt. 
Nichts. Gähnende Leere. 

Kontrollanruf bei meiner Ma, die tagsüber im 2 Stunden-Rhythmus Lena gehütet hat.

„Mama, hast Du meine Pillenpackung gesehen ?“

„Ja, im obersten Schrankfach!“

„Da ist aber keine.“

„Komisch, heute Mittag war sie noch da....“  

Mir schwante Schreckliches. Eine Befragung von Lena brachte nicht wirklich etwas. Also begann ich, jetzt hektisch, die Wohnung zu durchsuchen. Für alle nicht-Pillen-Schlucker sei es erklärt. Die Pillen befinden sich in einer Pappschachtel und dann noch einmal in einer Verpackung aus Silberpapier. Der Schweiß brach mir aus allen Poren, während ich suchte, tastete und kramte. 
Irgendwo mussten doch wenigstens Fitzelchen von Pappe, Pillen oder anderer Verpackung herum liegen. Absolut nichts.  

Die Sucherei ging noch gut eine Stunde weiter, bevor ich in der hinterletzten Sofaritze eine vereinsamte Pille fand, die meinen Verdacht untermauerte.

Folgendes Telefongespräch fand im Anschluss statt (das war mir so mega peinlich):

„Tierarztpraxis XY guten Abend“

„Dagmar Y. guten Abend.“

„Ach Frau Y. wie geht es Ihnen ? Hat Lena wieder ein Problem ?“

„Ich befürchte ja“

„Was ist denn passiert ?“

„ Also mal angenommen, nur rein hypothetisch, also theoretisch meine ich, mein Hund hätte eine Antibabypille gefressen....wäre das schlimm ?“

„ Eine Pille sagen Sie ? *imHintergrundalbernesGelächter* Nun, Lena ist kastriert, da dürfte das nicht weiter schlimm sein.“

„Fein, prima...“

„ War das alles Frau Y. ?“

„ Also eine Frage hätte ich noch....“

„Bitte“

„ was wäre wenn es 63 Stück waren....mit Verpackung ?“ 

Kurze Gesprächspause weil der behandelnde Arzt einen Lach-Flash bekommen hat und sich kaum unter Kontrolle bekam.... 

„Sie meinen also, der Hund hat 63(!) Antibabypillen mit Verpackung gefressen ?????“ Im Hintergrund hört man das brüllende Praxisteam...

„Ja, eine 3 Monatspackung, wahrscheinlich“

„Sind sie sicher ?“

„Nein, ich hab halt nur noch eine Pille gefunden“. 

Der immer wieder von Japsern unterbrochenen Arzt klärte mich dann darüber auf, dass Antibabypillen durch den weiblichen Körper wandern auf der Suche nach Eierstöcken. Da Lena kastriert war, folglich keine Eierstöcke zu finden waren, ziehen sich die Pillen beleidigt in den Darm zurück und verlassen meist am nächsten Tag, den Körper auf dem üblichen Weg....

Wegen der Silberverpackung machten wir uns dann doch Sorgen. Ich musste den Hund beobachten und fütterte noch am Abend, eine Dose Sauerkraut. Sauerkraut umschließt verschluckte Gegenstände ganz gut (bei Steinen funktioniert das nicht) und geleitet sie nach draußen ohne das die Darmwände verletzt werden.
Außer jeder Menge Sauerkraut habe ich am nächsten Tag auch nichts gefunden. 
Übrigens, wenn Lena nicht kastriert gewesen wäre hätte es 2 mögliche körperliche Folgen geben können:

Dauerhitze oder

nie wieder heiß....! 

Also passt auf eure Verhütungsmittel auf. Klein-Bine ist ja zwischenzeitlich stadtbekannter Kondomspürhund. Wenn ihr also das Zimmer eurer minderjährigen Kinder filzen wollt, könnt ihr uns gerne anfordern.

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So auf Anhieb, waren dass erst einmal alle absonderlichen Dinge die Lena sich hinein gestopft hat. Das übliche Junghundefutter war natürlich auch Bestandteil ihres Ernährungsplanes z..B.: Schuhe, Wäscheklammer, Salben, Pasten, Taschentücher, Tüten, Badeschaum, Toilettenwasser, die Hinterlassenschaften von Kühen, Schafen, Pferden, Füchsen etc..
Nachdem sie diese Phase überwunden hatte, hat sie jedoch nie wieder Sachen der obigen Kategorien angerührt. Das ist auch das Einzige was mich bei Bine noch hoffen lässt...
J. 

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 Lena hat mich oft in peinliche Situationen gebracht. Dabei halte ich mich eigentlich für relativ Resistent was „rot werden“ oder „vor Scham im Boden versinken“ betrifft. Lena war in jungen Jahren ein begnadeter „Unterhund“. Das heißt eigentlich nur, dass sie alles liebt was Frauchen oder Herrchen „unten“ drunter tragen. Fängt an bei harmlosen Sachen wie T-Shirts, steigert sich dann über Stumpfhosen und BHs bis hin zu Schlüpfern. J  

Ich bemühe mich eigentlich schon seit meinem Auszug bei meinen Eltern, in den „öffentlichen“ Räumen Ordnung zu halten. Das bedeutet Wohnzimmer und Küche gehen meistens so lala. Die Betonung liegt auf „ich bemühe mich“. Badezimmer ist ein muss, weil ich es nicht leiden kann, wenn man sich woanders nicht traut aufs Klo zu gehen, weil es dreckig ist.

Unser Schlafzimmer und der Dachboden ist KEIN öffentlicher Raum und so sieht es meistens aus. Ich bin also eine „versteckte“ Schlampine und ich stehe dazu J ! Von Schubladen und Schränken wollen wir lieber gar nicht reden.  

Ich bekam in meiner damaligen Wohnung Vertreterbesuch. Eigentlich schon lästig genug, aber mit Lena eine zusätzliche Herausforderung, da Frau ja nie wissen kann ob der Vertreter gefressen oder einfach nur beschmutzt wird. 
Das Exemplar das uns besucht hat war hundetauglich. Ich meine, ohne Angst vor Hunden und relativ gelassen was schwarze Hundehaare auf cremefarbenen Bundfaltenhosen angeht.

Wir führen also einen Monolog, der Herr redet auf mich ein und ich staune und höre zu was ich ALLES sparen kann mit der richtigen Versicherung. 
Lena tobt im Hintergrund umher und versucht die Aufmerksamkeit auf sich zu lenken. Das klappt kaum, weil der Herr mit dem Rücken zu ihr sitzt und nur ab und ein „ach was ein niedliches Hündchen loslässt“ ohne wirklich hinzusehen. Und das ist gut so.  

Plötzlich ist es leise in der Wohnung und Lena verschwunden. Ich ahne Schreckliches. Das ist, wie mir eine vielfache Mutter erklärte, genau wie mit Kindern. Wenn es leise wird in der Wohnung ist Vorsicht geboten. Ich höre Lena im Galopp zurück kommen, in der Schnauze meinen BH.....

„Da ist ja der brave Hund wieder“, sagt der Vertreter und beugt sich tiefer über seine Unterlagen. Mir bricht der Schweiß aus, ist nicht grade mein bester und ansehnlichster BH, den sie aus den Tiefen der offenen Schranktür hervorgekramt hat.

MANN, ich dem Moment hätte ich ALLES unterschrieben, Hauptsache der Typ blickt nicht auf. Lena spielt weiter fröhlich mit dem Teil, schüttelt es tot und haut sich die Körbchen um die Ohren. Super. Wenn ich gesagt hätte: „ was hast du denn da ?“, hätte er mit Sicherheit gekuckt. Hund anlocken ist auch eine doofe Idee, dann legt sie nachher noch den BH auf den Tisch. Aber was tun ???

Bevor ich mir eine Strategie überlege, wackelt die Kleine wieder Richtung Schlafzimmer.....mit dem BH ! Einerseits Glück gehabt, andererseits diese schreckliche Ungewissheit...was bringt sie nun ????

Während ich mich langsam erhebe, weiter „ja, ja“ und „wie interessant“ sage, während ich eigentlich vorhabe ins Schlafzimmer zu schleichen und den Hund zu erwürgen, erscheint die Genannte wieder. Mit einem SCHLÜPFER ! 
Lassen wir uns hier einmal nicht über Geschmack, Farben und Formen aus. Stellen wir uns nur wieder vor, dass ich grundsätzlich etwas DAGEGEN hatte, dass der Herr die Unterbuchse sieht ! 
Wieder wildes Toben ihrerseits, während ich halb ohnmächtig vor Scham aufs Sofa sank. 
Eine so fügsame, schweigsame Kundin hatte der Vertreter bisher bestimmt nicht allzu oft.

Ich betete natürlich, dass es ähnlich unbrisant ausgeht wie kurz zuvor.

Aber nicht mit diesem Hund. Nachdem sie den Schlüpper wieder fleissig geschüttelt und geworfen hatte, hat sie ihn zuerst ein bisschen größer gemacht, indem sie sich mit den Vorderbeinen drauf gestellt hat und kräftig mit der Schnute am Gummi zog. Solange bis ein reißendes Geräusch zu hören war. Da schaute der Vertreter zum ersten Mal flüchtig über die Schultern und meinte „Na, spielst Du fein mit dem Handtuch?“
Ich höre wohl nicht richtig, Handtuch ??

Ich weiß ja nicht wie es bei dem Mann zuhause zugeht, aber wie ein Handtuch sah das Teil dann doch nicht aus. Nee, wirklich nicht.

Lena, ermutigt durch die Ansprache, kam näher und schüttelte sozusagen als Spielaufforderung die Hose rund herum. Meine Rufe herzukommen ignorierte sie, schlau, ich hätte ihr das Teil auch entrissen und weggeschmissen.

Aber nein, sie kam immer näher an den Tisch und letztendlich kam es wie es kommen musste. Sie legte ihr Kinn mit dem Schlüpfer auf das Knie vom Vertreter und der griff beherzt zu mit der Frage „Was hast du denn da feines ?“

Lena ließ los und ich wäre am liebsten im Erdboden versunken. Der Vertreter hob den angeblichen Lappe in die Höhe und ein Blinder mit Krückstock konnte sehen, dass MEIN Hund mit UNTERHOSEN spielt. Völlig nassgesabbert und mit eingerissenem Gummi. 
Ich verstehe ja auch die Gegenseite, aber ganz so entsetzt hätte der Typ nicht kucken müssen und so hektisch hätte er die Buchse auch nicht durchs halbe Wohnzimmer wegpfeffern müssen.  
Das tut mir doch auch weh.....
J !

Was soll ich sagen ? Das Gespräch war 1 min. später zu Ende, abgeschlossen habe ich nichts und die Hand hat mir der „Herr“ zum Abschied auch nicht mehr gegeben.....

 

Pilotenschein für Hunde

Ich achte auf meine Tiere. Ganz besonderes Augenmerk schenke ich natürlich ihrer Gesundheit. Bei Lena habe ich kläglich versagt. Sie hat in den ersten 3 Monaten im neuen Heim sozusagen kostenlos einen Pilotenschein gemacht, trotz aller Vorsicht.
Begonnen hat das Ganze praktisch schon am 2. Tag nach ihrem Einzug. Nach Hause geholt habe ich sie an einem Freitagabend, da bekam sie ihr Futter und Wasser aus herkömmlichen Salatschüsseln *räusper*.

Das wollte ich am nächsten Tag ändern und darum packte ich an dem saukalten Februarmorgen meinen Welpen um erst einmal Hundezubehör einzukaufen. Die Treppe herunter kamen wir unbeschadet. Da das 9 Wochen alte Mäuschen aber bei –15 Grad nicht laufen wollte, behielt ich sie auf dem Arm.
Kurz vor dem Auto trat ich auf eine vereiste Pfütze..........

Mir riss es die Beine (nach hinten) unter dem Körper weg und die reflexartige Armbewegung katapultierte die arme Lena nicht besonders hoch, aber besonders weit  weg. Trotz meiner angeborenen Unsportlichkeit schaffte ich einen beachtlichen Welpenweitwurf von mind. 3 m. Generell bin ich ja froh wenn ich auf diesem Sektor mal hervor steche, aber ich würde mich doch gegen eine Aufnahme der Disziplin bei den Olympischen Wettkämpfen verwehren. Lena sah ungelogen während des Fluges noch ganz interessiert aus, da taten mir schon die Knochen weh, aber die Landung war unschön. Leider lag nämlich kein Schnee, sondern es war nur gefroren und die Straße mit Raureif bedeckt.

Beim Aufprall klappte sie alle vier Beine nach außen weg und die Luft entwich mit einem „uff“ aus den kleinen Lungen. Im ersten Moment dachte ich, jetzt hat es sich erledigt mit Näpfen und Leinen und Hundebürsten, das war es, ich war einen ganzen Abend Hundebesitzerin. Glücklicherweise habe ich mich für ein tapferes kleines Mädchen entschieden, dass sich schnell wieder aufrappelte, schüttelte und vorwurfsvoll in meine Richtung blickte.

Da ich eh noch auf der Eispfütze kniete, habe ich gleich um Verzeihung gebeten. Sie hat sich die nächsten Wochen zuerst auch brav weiter tragen lassen... 

Ca. 2 oder 3 Wochen später wollte ich meine Freundin Sabine und Hund Felix besuchen und Lena vorstellen. Nach einem kurzen Spaziergang in der Kälte angekommen, beorderte mich Sabine zur Garage damit ich dort dem Hund die Füße und mir die Schuhe abputzen konnte. Es handelte sich dabei um eine Garage die eine sehr steile Einfahrt hat, also praktisch unter dem Haus liegt. Nenne wir sie Tiefgarage J!
Ich stiefelte von der Haustür Richtung Garageneinfahrt im Gottvertrauen, dass ich einen jungen Hund besaß, der mir jederzeit überall 
hin folgte !

Lena muss geträumt haben und als sie hoch blickte war ich weg (nämlich in der Garage). Während ich rief, lief sie an die Garagenmauer, 
also den höchsten Punkt und starrte durch das Geländer in die Tiefe zu mir herunter (vielleicht 2,20m oder doch 2,50m ?).
Ich fuchtelte mit dem Arm und sagte „geh da außen rum und nu komm Süße!“
Dann lernte ich eine der wichtigsten Lektionen überhaupt. Hunde sprechen kein deutsch *staun*.
Das bedeutet im Umkehrschluss, sie verstehen auch keins. Ganz übel gelaufen.

Ich hatte mich schon wieder zu Sabine umgedreht, als mich ihre kugelrunden Augen stutzig machten. Na ja Lenas Aufprall habe ich dann grade noch gesehen....das *uff* war wegen der größeren Höhe lauter, aber ansonsten gab es nicht viele Abweichungen zu meinen Welpenwurf. Nachdem klar war, der Hund lebt und überlebt, ich eine tränenreiche Wiedergutmachung versprach und keinerlei bleibenden Schäden sichtbar waren, klopfte mein Besitzerherz heftig.

Ich war so stolz auf meine Kleine, die sozusagen den Todessprung riskiert hatte nur um BEI mir zu sein. Sabine hingegen sah uns zweifelnd an und meinte „was ist das noch mal für eine Mischung ? Ich glaube die hat nicht wirklich viel in der Birne...“.
Sabine sollte kein Recht behalten, Lena ist bis heute der eigenständigste, selbstdenkende und –handelnde Hund den ich kenne.
J ! 

Zu dieser Zeit hatte ich auch noch mein Painthorse Chester. Ein Jungspund mit gemütlichen Charakterzügen. Allabendlich packte ich Lena ins Auto und fuhr mit ihr zum Stall. Dort war ich allerdings heftig bemüht, die Kleine von den insgesamt 3 Pferden im Offenstall fern zu halten um schlimmere Unfälle zu vermeiden (ha ha ha). Ich hatte ständig ein Auge auf den Hund was ziemlich anstrengend war, weil ich mich dauernd von A nach B bewegte. Der Auslauf musste abgeäpfelt werden (für nicht Pferdehalter = einsammeln der Pferdeäpfel mit der Schubkarre ), Stroh entfernt und neu ausgestreut werden, Wasser (war ja kalt damals und immer eingefroren) aufgefüllt, gefüttert, geputzt und was weiß ich noch gemacht werden. Lena war immer bei mir und veranstaltete ein Menge Unsinn.

Ich schätze, ich hatte sie dann doch 30 sek. mal nicht im Blick (aua, Selbsterkenntnis tut weh). Als ich mich suchend umsah, stand Klein-Lena genau hinter Chester. Direkt hinter seinem linken Hinterfuß. Ganz ehrlich mir wird jetzt noch ganz schlecht wenn ich mich zurück erinnere.....

Wer so was sieht, braucht keine Krimis kucken, mein Adrenalinspiegel pushte in die Höhe und obwohl ich es gelernt haben sollte versuchte ich es wieder auf Deutsch: „ KOMM HER..... L E N A“ !
Lena, die ohne Clicker aufwuchs, dachte nicht daran zu kommen. So Nahe am Objekt der Begierde, schnüffelte sie hinter dem Huf herum und ich sah sie vor meinem inneren Auge schon zertrampelt im Stroh liegen. Furchtbar.
Tja, es kam wie es kommen musste, sie tat etwas dummes. Sie beschnüffelte Chester in der Fußbeuge, wo es wenig Haare gibt und er sehr deutlich ihre kleine, nasse Nase spürte.

Da er vorher friedlich am Fressen war ohne Lena wahrzunehmen und selber noch ein reiner Kindskopf, quiekte er kurz erschreckt auf und donnerte genau mit dem Fuß nach hinten aus. 
Lenas reines Glück war es, dass sie so dicht hinter ihm stand, dass eine Hebelwirkung eintrat. Also Chester hatte keine Möglichkeit weit auszuholen, sondern hebelte Klein-Lena weit hinauf in die Atmosphäre (okay, dass ist jetzt übertrieben). 

Bei ihrem 1. Flug war sie weit nach vorne geprescht.

Beim 2. Flug in die Tiefe gestürzt und

beim 3. Flug nun raste sie in die Höhe.

Dabei konnte ich, starr vor Schreck, wie in Zeitlupe ihr Gesicht erkennen. Ich schwöre sie hat gelacht ! Ja doch, man sah zwar die leichte Besorgnis wegen dem möglichen Aufprall, aber den Flug hat sie genossen....
Nach dem üblichen „uff“ dass diesmal im Stroh wesentlich gedämpfter klang, kam sie angerannt und freute sich wie wild ! Ich habe allerdings in diesem Moment beschlossen, dass ihre Fliegerkarriere ein für allemal zu Ende ist, weil mein schwaches Herz dass einfach nicht mehr mitmacht.
Sollte sie aber rein theoretisch an einer Pilotenausbildung für ihren Hund interessiert sein, können sie mich gerne an mailen. Ich werde sehen was ich für ihren Hund tun kann. Gerne auch mit Clicker
J !  

Die Geschichte von Lenas Flugstunden konnte ich erst jetzt aufschreiben, weil ich befürchtete, wir bekommen Bine sonst nicht....hihihi ! 

Allerdings hat Bine keinerlei Stunt-Woman-Ambitionen. Mal sehen wo ihre Stärken liegen. Wir werden es morgen mal mit Synchron-Schwimmen versuchen. Die Nasenklemmen für sie und mich habe ich schon besorgt....

 

Lachgeschichte

 

Im Jahr 2000 arbeitete ich noch in Göttingen bei einem Verkehrsverbund. Trotzdem fuhr ich morgens mit dem Auto
zur Arbeit, geht doch nichts über Radio hören und ein Kippchen schmauchen, bevor der Tag los geht.

Es war Sommer und tierisch heiß. Ich fuhr einen recht altersschwachen Opel Kadett und da wir in Elbingerode 491
Einwohner haben (ich glaub ich kenne ca. 300 davon, aber ich bin auch nur eine Zugezogene) denen ich restlos vertraue,
stand mein Auto unabgeschlossen mit heruntergekurbelten Fenster auf dem Hof. Die ganze Nacht. 

Am nächsten Morgen fuhr ich wie immer zur Arbeit. Während des Vormittags fragte mich meine Kollegin, ob ich sie in
der Mittagspause zu einer Autowerkstatt fahren kann, weil ihr Wagen dort zur Reparatur stand. Natürlich, bin schließlich
kein Kollegenschwein.

Während wir zur Werkstatt fuhren, schlug Petra (ich kenne viele Petras *g*) vor, auf dem Rückweg ein Wettrennen
zu veranstalten. Wer zuerst wieder am Arbeitsplatz sei, bekomme ein Stück Kuchen. Hintergrund war, dass sie erst
vor kurzem aus Frankfurt nach Göttingen gezogen war und sich noch nicht besonders auskannte. Sie wollte wohl mir
und sich beweisen, dass es nun langsam mit der Orientierung bergauf ging.

Nun mag ich Kuchen nicht besonders, aber ich hasse ihn auch nicht ABER, ich bin wahnsinnig ehrgeizig. Also habe ich die
Wette angenommen.
Ich wartete bei der Werkstatt (ca. 30 Grad im Schatten), während Petra die Formalitäten klärte, brav mit heruntergekurbelten Scheiben (zu der Zeit träumte ich von einer Klimaanlage) und laufendem Motor.

Als Petra vom Hof fuhr, gab ich ebenfalls Gas und so standen wir noch gemeinsam an der 1. Ampelkreuzung.
Dann folgten weitere Ampeln. Ich immer auf der linken Spur, Petra auf der rechten, wobei sie mich irgendwann aus den
Augen verloren hatte und nie nach links sah. Ich lachte mich derweil kaputt weil ich winkend genau neben ihr stand und sie stur
gerade aus sah, hoch konzentriert, weil die Arbeitstelle gar nicht so leicht wieder zu finden ist.

Immer wenn die Ampel auf grün sprang, gab ich Gas. Alle Fenster waren unten und meine Haare wurden ganz schön in
Unordnung gebracht. Ich weiß, dass sich das völlig dämlich anhört, aber als ich so dahin fuhr, wirbelten meine Haare
durch die 4 offenen Fenster ganz schön. Nur nicht am Hinterkopf.
Das war mehr ein Gefühl, als das ich intensiv darüber nachgedacht habe, ich war ja viel zu beschäftigt nach Petra Ausschau zu halten.

Dann wieder eine rote Ampel. Kein Fahrtwind. Kein Haarefliegen.
Und weiter geht’s, Haare auf Sturm, nur nicht am Hinterkopf.
Nächster Stopp, alles okay. Weiterfahren und Haare wirbeln, dieses Mal am GANZEN Kopf, aber irgendwie nicht mehr
im Nacken.....komisch, aber keine Zeit.

Wir näherten uns der Kreuzung an der wir links Richtung Stadthalle abbiegen mussten um den richtigen Weg einzuschlagen.
Geradeaus dagegen, fährt man in die Fußgängerzone. Da sollte man aber an einem Donnerstagmittag auf KEINEN FALL hineinfahren.
Heißt schließlich FUSSGÄNGERzone.

Nun, an der Ampel sah ich Petra wieder neben mir stehen, sie mich allerdings nicht. Ich stand auf der Linksabbiegerspur
und sie auf der die geradeaus führt. Das war mir nun doch ein wenig unheimlich und ich winkte und klopfte, aber sie sah
partout nicht herüber. Die Ampel sprang um, ich bog ab und sah noch wie Petra fröhlich geradeaus fuhr. Ich war hin und
her gerissen zwischen lachen und „ach du SCHEISSE“.

Während ich also wieder fuhr, sah ich plötzlich aus den Augenwinkeln auf meiner rechten Schulter einen Schatten.
 Nun wird es Zeit, dass ich erzähle, ich gehöre wohl eher zu den überlegten, bedachten Typen. Anders kann ich mir
nicht erklären, warum ich nicht gleich nachschaute, was das war. Eine Millisekunde redete ich mir noch ein, dass es
mein Kragen ist, der im Fahrtwind flattert.
Ich hatte aber an meinen T-Shirt keinen Kragen......
 

Gut, dann muss es ein Schmetterling sein. Eben ein ganz großer, dem Schatten aus den Augenwinkel nach zu urteilen.
Bitte Gott, LASS ES EINEN SCHMETTERLING SEIN. Meinetwegen auch einen Nachtfalter. BITTE !

Ich überlegte während der weiterfahrt krampfhaft, welche Tier noch in meinem Auto sein könnten. Spinnen ???!!!!
Ich ekle mich grundsätzlich vor allen Tieren die mehr als 4 Beine haben (Blutegel haben keine, deswegen mag ich sie ja auch).
Noch mal kurz nach rechts geschielt und mir brach der Schweiß aus. Wenn das eine Spinne ist, sagte ich mir, dann muss dass
dem Schatten nach mindestens eine Tarantel sein.

So, in diesem Moment strömte eine nicht geringe Menge Adrenalin durch meinen Körper. Ich weiß echt nicht warum die
Leute Bungee Jumping machen oder so einen Käse. Ich begann wirklich alles weiter weg zu hören, nahm meine Umgebung
haarscharf wahr und meine Nerven waren zum zerreißen gespannt. Dabei hatte ich immer noch nicht hingesehen und betete,
wünschte, ja flehte bloß einen blöden Schmetterling herbei.

Alles was ich im letzten Absatz geschrieben habe, dauerte in Wirklichkeit natürlich nur 5 Sekunden. Mein Verstand
arbeitet auf Hochtouren.......WAS WAR AUF MEINER SCHULTER UND WARF EINEN S C H A T T E N ????
Ich sah nach rechts und blickte nur Zentimeter entfernt in ein haariges, schwarzes Gesicht mit funkelnden Augen.
Erwähnte ich schon, dass ich kreischende Weiber zutiefst verabscheue ?

Nun ich ließ sozusagen den Urschrei schlecht hin los. Das ich mir nicht in die Hose gepinkelt habe, ist reine Selbstbeherrschung !
Das Ding auf meiner Schulter, nicht bange, schrie zurück. UND zwar LAUT !
Dann habe ich als erstes meinen Wagen abgewürgt und zwar volle Pulle. Als nächstes (ich hab früher viele Bruce Lee Filme
gesehen) katapultierte ich das schreiende Etwas (oder schrie ich immer noch, hm?) mit einem gezielten Handkantenschlag
in den Fußraum des Beifahrersitzes.

 Wie in Trance ließ ich den Wagen an und fuhr weiter. Komisch gell, ich meine diese Reaktion. Aber dann kam das große
Bibbern. Ich schlackerte am ganzen Körper und kramte verzweifelt in meinem geschockten Hirn nach dem Gesicht,
dass ich gerade einen Zentimeter von meinem Gesicht entfernt gesehen hatte. Ich habe in meinem ganzen Leben noch
nie einen solchen Schrecken erlebt. Ich hab mich mehrmals im Rückspiegel angesehen, weil ich überzeugt war, meine
Haare wären mit einem Schlag schlohweiß geworden. Ehrlich.

Seit ihr mit dem Aufbau des Spannungsbogen zufrieden ?

Wenn man einen solchen Schock erlebt wie ich in dem Moment, dann kann man überhaupt nicht nachdenken. Ich kannte
das Gesicht, ich wusste nur kein Wort für das Tier.
Ich war so beschäftigt damit zu zittern, zu fahren und dabei ängstlich den dunklen Fußraum auf der Beifahrerseite
zu beobachten, dass es ein echtes Wunder ist, dass ich keinen Unfall baute.
Mir war plötzlich klar, warum meine Haare an bestimmten stellen NICHT geflattert haben im Fahrtwind, nämlich weil
ES dort saß. Dann muss es sich weiterbewegt haben in den Nacken. Dort fühlte es sich dann an, als flatterte mein Kragen,
dabei hatte ich doch KEINEN KRAGEN. Arrrrrgggghhh !!!!

 Und dann viel mir auch wieder das Wort zu dem Gesicht ein: Fledermaus !

Auf meiner Schulter hatte mit ausgebreiteten Flügeln eine Fledermaus gesessen. Fledermaus.
Ich habe gar keine Angst vor Fledermäusen. Das heißt aber nicht, dass ich mich nur wenige Zentimeter vom
Gesicht entfernt gerne von ihnen anbrüllen lassen.
Ich war so geschockt, dass ich begann wie eine schwachsinnige zu lachen (meine Kollegen werden wissen was ich meine),
vor Glück dass es keine Tarantel war und weil lachen immer noch besser ist als flennen.

 Ich weiß nicht mehr wie ich auf den Parkplatz gekommen bin. Aber bevor das Auto stand, war ich schon draußen. Natürlich
 war meine Kollegin noch nicht da, die kurvte fröhlich in der Fußgängerzone umher.
Ich hibbelte auf dem Parkplatz herum wie aufgezogen. Geschüttelt von Lachkrämpfen und Selbstgesprächen
(„ach du Sch...., das glaubt mir wieder keiner“), konnte ich nicht eine Minute still stehen. Ich glaube das nennt man
Stressabbau.  

Minuten später kam Petra an. Sie stieg lachend aus dem Auto und sagte: „...hahaha weißt Du wo ich war ?“.

Ich: „Schnauze, ich hab eine Fledermaus im Auto !“

Sie: „ ,,,,ich war in der Fußgängerzone, da darf man gar nicht rein.....“

Ich: „ PETRA...ich habe eine FLEDERMAUS im AUTO!“

Sie: „Du hast den Kuchen gewonnen....bist du schon lange da ?“

Ich: „Kannst Du mich hören....HALLO....ich habe eine Fledermaus im Auto“

Sie: „Ich komme aus Frankfurt, ich habe Angst vor Tieren.....“.

Wir gingen gemeinsam zum Wagen und ich erzählte in Kurzform meine Geschichte. Staunendes
Schweigen. Ob ich sicher sei, dass es eine Fledermaus gewesen wäre.
Zwischenzeitlich war ich nicht mehr sicher, obwohl ich am Abend vorher nichts getrunken hatte. Das Ganze war dermaßen
unwirklich. Vielleicht war es doch ein Schmetterling ?
Haben die nicht auch Gesichter ? Aber schreien die auch zurück ? 

Schnell war klar, die Maus muss raus. Ich konnte unmöglich die 35 km lange Heimfahrt antreten mit einer Fledermaus die
sich IRGENDWO in meinem Auto aufhielt. War sie überhaupt noch am Leben ? Ohnmächtig. Ich meine, meine Handkantenschläge
sind nicht von schlechten Eltern.
Ich tat also, was getan werden musste (wie Clint Eastwood früher) und öffnete die Beifahrertür. Nichts zu sehen im
Fußraum. Wieso sind die Gummimatten eigentlich immer schwarz und nicht weiß ?

Ich hatte jedoch einen heißen Verdacht ! Bestimmt saß das Biest unter dem Beifahersitz.
Jeder weiß, dass es Fledermäuse gerne dunkel mögen. Sollte ich drunter schauen ?
Ich habe als Jugendliche ziemlich viele Horrorstreifen gesehen, obwohl ich sie nicht mag. Mir war klar, dass ich unter
den Sitz sehen würde und die Maus würde durchstarten, gradewegs in mein Gesicht.
Das wollte ich nicht. Aber im Auto sollte sie auch nicht bleiben.

Also habe ich mich mit äußerster Zurückhaltung in den Wagen gebeugt und nach vorne gelehnt. Auf Hilfe von Petra,
war nicht zu hoffen. Sie stand einige Meter entfernt und brabbelte: Angst, Frankfurt, ohne Tiere aufgewachsen,
beißen die......und solche Dinge.

Das hat meine nervliche Anspannung nicht gerade beseitigt. Aber es nütze ja nichts, Dreibeiner (also Männer) waren
wie immer keine in der Nähe (ja ja wenn man sie mal braucht).
Folgendes Bild:
Ich knie vor dem Auto, geöffnete Beifahrertür, und lucke unter den Sitze, als Petra anfängt zu brüllen :
„ DAAAA IST SIIIIEEEEEE“.
Im nullkommanix bin ich (obwohl sonst unsportlich) hochgeschossen und mit dem Kopf unter das Wagendach geknallt.
Als ich wieder einigermaßen denken konnte hüpften wir beide kreischend (wie nett) über den Parkplatz.

Ich: „ Wo wo wo wo wo wo wo........

Sie: „ Da da da da da da da da .......... 

Die arme Fledermaus hing an meiner Beifahrertür (Kopf nach unten logischerweise) und sah völlig fertig aus mit
 der Welt. Ehrlich gesagt, wirkte sie auf einmal regelrecht klein....
Aber sie hatte ja auch die Flügel zusammen gefaltet. Das zu meiner Ehrrettung. 

Ich ging hin und versuchte sie mit meinem Haustürschlüssel zu überreden, das Futter meiner Türverkleidung
loszulassen.
Aber sie wollte nicht.
Ich versuchte es weiter, da fing die Arme wieder an zu schreien. Nee es war mehr ein piepsen
und schon ging mir das Herz über. Der arme Schatz.

Muss sich nachts verflogen haben und in meinem Auto gelandet sein. Dann tagsüber bei der Bullenhitze ist sie am Sitz
hochgekrochen und da der Kadett Kopfstützen mit großen Löchern drin hat, hindurch und auf mein Haupthaar.
Na ja, den Rest der Geschichte kennt ihr. Ich war dann so beschäftigt damit, mir auszumalen, dass es bestimmt noch
eine Baby-Fledermaus ist, DIE ICH nun von Familie und Rudel getrennt habe, dass ich keine Probleme mehr hatte, den
kleinen Schreihals in die Hand zu nehmen und im angrenzenden Park fliegen zu lassen. 

Abends erzählte ich Jörg die Geschichte und er hörte zu ohne mit der Wimper zu zucken oder gar zu lachen. Als ich aber
zu der Stelle mit dem Handkantenschlag kam, sagte er voll Empörung und mit tiefer Abscheu: „ Spinnst Du, die stehen
unter Naturschutz. Was soll die denn jetzt in Göttingen machen ?“

 Darauf weiß ich bis heute keine Antwort. Ich weiß, ich bin ein Scheusal....*schnief*. 

Die Geschichte hätte aber auch eine andere Wendung nehmen können. Ich hätte einen Unfall verursacht, die Fledermaus
wäre durch die geöffneten Fenster hinaus geflogen und der eintreffenden Polizeistreife hätte ich lallend berichtet:
Ich hatte eine Fledermaus im AUTO.....

Ich glaube, ich säße heute nicht hier.......J