Banja

Banja
wurde am 6. Dezember 1996 als Riesenschnäuzchen irgendwo in Deutschland
geboren. Sie ist also fast genau 1 Jahr jünger als Lena.
Im
Welpenalter wechselte sie dann den Besitzer und zog um nach Hessen, in ein
kleines Dorf, auf einen großen Bauernhof. Da waren außer ihr noch andere
Schnauzer, Jack-Russel-Terrier und Pferde. Jede Menge Pferde.
Banja
sollte als Zuchthündin eingesetzt werden, was Gott sei Dank nicht klappte, denn
sonst wäre sie heute nicht hier J
Meine
Schwiegereltern hatten nämlich nach dem Tod von Rex, (ebenfalls Riesenschnauzer
und ebenfalls von diesem Bauernhof in Hessen stammend) fast ein Jahr ohne Hund
durchgehalten. Jetzt sollte es ein neuer Hund sein, natürlich wieder ein
Schnauzer, natürlich wieder von diesem Hof. Schließlich war man mit dem
„Alten“ mehr als zufrieden.
Meine Schwiegereltern „bestellten“
also einen Welpen und eine Schnauzerin namens Bella,
sollte Mutterfreuden entgegen sehen. Auf einem Trip ins Rheinland war
dann die Gelegenheit günstig und vier alle (Jörg, seine Eltern und ich) wollten
uns vorab mal den Hof ansehen (schließlich waren meine Schwiegerellis das
letzte Mal vor 15 Jahren dort) samt der zukünftige Mutter.
Auf dem Hof begrüßte
mich der dickste Schnauzer den ich je gesehen habe (Bella). Daneben stand ein
Hänfling von Schnauzer (Banja) samt Jack-Russel-Terrier. Alle Hunde waren
freundlich und sehr zuvorkommenden. Da der Hofbesitzer gerade einen Wurf
Mittelschnauzer hatte, stürmten alle Anwesenden in den Pferdestall um den Nachwuchs zu
betrachten und zurück blieben Banja und ich. Sie drückte sich an meine Seite, wollte unablässig gestreichelt
werden und betet mich an. Streichelte man nicht weiter, wurde
gestupst oder gepiepst oder gepfötelt.
Streichelte man hingegen an den
„richtigen“ Stellen (also unter dem Kinn, auf dem Schädel, an den Ohren
oder links und rechts von der leider noch kupierten Rute) dann fing sie
lautstark an zu schmatzen und schloss die Augen. Ich fand den Hund einfach nur
klasse ! Ihre Streichelvorlieben hat sie übrigens bis heute beibehalten.
Nicht
unerwähnt soll bleiben, dass sie bestialisch gestunken hat, wirklich
unglaublich. Ich meine mich zu erinnern dass es eine Mischung aus Silage und
Pferdescheiße war. Aber ich will mich nicht wirklich erinnern J !
Irgendwann
fuhren wir wieder ab und außer mir, hat eigentlich niemand wirklich Banja wahr
genommen. Lange Rede kurzer Sinn. Meine Schwiegereltern warteten umsonst auf
einen Anruf, der eine bestehende Schwangerschaft anzeigen sollte. Vielmehr hatte
Bella einen Autounfall und verstarb bald darauf. Nun sollte Banja einspringen
und ich bin heute noch froh, dass es mit der knapp 1jährigen Hündin nicht
klappte. Sie nahm nicht auf.
Irgendwann
Sonntags lasen dann vier Menschen unabhängig voneinander das Anzeigenblättchen
(wieder meine Schwiegereltern, Jörg und ich) und entdeckten eine 1jährige
Riesenschnauzerhündin die abgegeben werden sollte UND die Telefonnummer war aus
Hessen ?! Jörg und ich besprachen schnell, dass wenn es sich tatsächlich um Banja handeln
sollte, wir sie sofort aufnehmen würden. Aber meine Schwiegereltern waren
schneller, hatten schon telefoniert, erfahren dass es tatsächlich „meine“
Banja war und bestellt. Auch gut.
Kommen
wir jetzt also zu einem wichtigen Punkt, nämlich, eigentlich gehört Banja
meinen Schwiegereltern. Wer sich nun mit dem deutschen Sprachschatz auseinander
setzt, der weiß, „eigentlich“ ist das Unwort des Jahres J !
„Eigentlich
kann mein Hund sitz“.......tja warum tut er es dann nicht ?
„Eigentlich
beißt er nicht“..........nun mich hat er gerade in die Hose gebissen !
Einem
eigentlich folgt unwiderruflich immer ein „ABER“. Also noch mal, eigentlich
gehört Banja meinen Schwiegereltern.....ABER....nur auf dem Papier. Banja zog
ein und musste wie ihr Vorgänger zuerst in den Zwinger, während ich sofort
damit begann, mir den Mund über Hundehaltung, soziale Kontakte und Bindung
fusselig zu reden. Immerhin durfte sie recht schnell tagsüber ins Haus, was
ihrem Vorgänger ein Leben lang verwehrt blieb. Zur damaligen Zeit, waren Jörg
und ich gerade dabei, uns hier im Haus eine Wohnung auszubauen. Lena, dass war klar
wie Kloßbrühe , würde mit in die WOHNUNG ziehen....und Banja sollte draußen
bleiben ? Unmöglich ! Von dem Moment an begann unweigerlich Banja’s Karriere......
Innerhalb
von 3 Monaten zog sie erst vom Zwinger ins Haus (aber nur unten auf dem Flur).
Dann nach OBEN (da schlafen die Schwiegerellis) auf den Flur, schließlich ins
Schlafzimmer und letztendlich in Schwiegermutter Roswithas Bett (aber NUR wenn
Schwiegervater Heinrich zur Arbeit war). Mit dem Erfolg dass sie den Heinrich
auch heute noch oft um 5 Uhr weckt, weil er zur Arbeit GEHEN SOLL (also Samstags
und Sonntags).
Diesen steilen, sozialen Aufstieg soll ihr mal jemand nachmachen. Hihi. Da
ich noch nicht dort wohnte, holte ich Banja regelmäßig ab, ging mit ihr und
Lena gemeinsam spazieren (die Beiden ignorierten sich hartnäckig und fanden sich so was
von doooof) und hin und wieder durfte sie bei mir übernachten. Wenn
sie bei mir war, wurde sie natürlich auch von mir gefüttert. Es dauerte nicht
lange und sie brüllte sobald mein Auto vorfuhr und verweigerte daheim das
Futter, weil’s bei uns einfach besser schmeckte. Dann war aber auch der Tag
meines Umzuges da und der Abschied meiner Schwiegereltern vom Schnauzi begann.
Bis heute ist es so, dass Banja ein Gesangskonzert anstimmt, sobald sie hört dass
bei uns in der Wohnung jemand wach ist. Ich muss sie abends gegen halb elf zu den
Schwiegereltern runter schicken, weil die sich bis heute nicht damit abfinden
konnten, dass der Hund auch noch oben bei uns schläft. J
! Schließlich zahlen sie die Steuern und Versicherung. Sie frisst hier oben und
schläft im übrigen so ca. jedes 2. Wochenende bei uns weil es tausend Gründe
gibt sie nicht nach unten zu schicken (sie schläft gerade so süß, deine
Eltern sind noch nicht zurück, sie hat schon so lange nicht mehr hier
geschlafen usw.).
Wenn
man Banja’s Charaktereigenschaften umschreiben will, dann treffen am ehesten
Beschreibungen wie „ Blumenkind“, „Flower-Power“ oder „Schaf im
Wolfspelz“ zu. Sie ist und bleibt ein Kind, ein Stürmisches aber definitives
kindliches, schwarzes Monster. Besuch (Zeugen Jehovas oder Zeitungsvertreter)
begrüßt sie mit ihrem Plüschknochen im Maul, wedelt ob der fehlenden Rute mit
dem ganzen Rücken und sieht WAHNSINNIG gefährlich aus.....HA HA HA.
Sie ist schrecklich sensibel was Tadel oder missbilligend, hochgezogene Augenbrauen angeht und unglaublich wehleidig. Andererseits fehlt diese Sensibilität völlig wenn es um Dinge geht die Menschen eklig finden. Oder wenn etwas Neues passiert ODER etwas LAUTES. Der erste Hund der liegen bleibt wenn neben ihm ein Backblech auf die Fliesen fällt. Lena findet man zu diesem Zeitpunkt (also wenn das Blech noch nicht ganz den Boden berührt) schon 3 Etagen tiefer. Banja schaut mit einem Gottvertrauen zu mir auf und es steht ihr im Gesicht geschrieben „Frauchen passt schon auf dass mir nichts passiert“. Deswegen habe ich für diesen Hund schon manchen Boris-Becker-verdächtigen Hechtsprung hingelegt um Schlimmeres zu verhindern. Schließlich will ich dass in mich gesetzte Vertrauen nicht verlieren (seufz).
Banja in die
richtigen Bahnen zu lenken ist ein Kinderspiel. Sie frisst gerne und viel, ist
ein totaler Balljunkie und mein begnadeter Clickerhund. Man kann sie überall
mit hinnehmen, sie ist leinenführig, kontaktfreudig und allem und jedem gegenüber
aufgeschlossen, also das genaue Gegenteil von Lena. Das ist der Grund warum die
Beiden sich so prächtig verstehen. Es gab noch nie ernsthaften Krach oder gar
je eine Verletzung die der eine dem anderen zugefügt hätte. Heute rate ich
Menschen die sich für einen Zweithund interessieren, darauf zu achten, dass die
Hunde so unterschiedlich wie möglich sind. Banja liebt Bälle, Lena sind sie
schnuppe. Banja frisst gerne, Lena ist das schnuppe, was kommt das kommt und
wenn nicht dann nicht. Lena liebt Hasen, Banja findet die sterbenslangweilig.
Lena liebt Jörg, Banja liebt mich J
! Es kann also gar keinen Krach geben.
Banja hatte einige „komische“ Verhaltensweisen als
sie zu uns kam. Durch ihre Kindheit auf dem Hof, so vermute ich, waren Spaziergänge
eher Mangelware. Dass hatte den Effekt, dass sie hingekackt hat wo sie ging und
stand. Für mich war das gewöhnungsbedürftig, hatte ich doch bis dato einen
Hund den mindestens einen halben Meter Gras am Anus kitzeln muss, damit er sich
überhaupt lösen kann. Und dann bitte sehr nicht im Umkreis von 1 km in der Nähe
der eigenen Wohnung. Soviel Zeit muss bei Lena sein. Banja hingegen stieg aus
dem Auto und kackte auf die Straße, auf den Hof, den Bürgersteig, Gras, Weg,
Wiese, Sand. Einfach überall hin. Am liebsten aber ins Stroh, dass wir für die
Hasen lagern. Sie stand piepend vor Stall und wenn man sie einließ, donnerte
sie nach oben auf den Strohboden und legt mit glücklichen Gesichtsausdruck ein
Ei ins Stroh.
Was hat sich Lena geschämt für unseren „Hessen“ J.
Wie wir das Problem gelöst haben ? Durch einen festgelegten Tagesablauf. 3
Spaziergänge, manchmal 4 wurden zur Regel. Missgeschicke wurde schweigend ohne
Gefühlsregung weggewischt und nach einigen Monaten löste sich der Hund, wie
alle vor ihr da gewesenen, auf den Spaziergängen.
Aufgrund
dessen habe ich auch kurz nach ihrem Einzug folgende Zeilen Banja gewidmet, die
wir heute noch manchmal schunkelnd mit selbst erfundener Melodie zum Besten
geben:
SIE
schläft so gern in Betten
SIE
kackt so gern ins Stroh
SIE säuft
nur aus Toiletten
DAS
macht die Banja froh !
In
diesem Sinne grüßt auch Sie vor Ihrem PC der zwergenhafte Riesenschnauzer oder
riesige Mittelschnauzer,
Banja