Lena

Lena
wurde als Collie-Schäferhund-Rottweiler-Mädchen am 30. November 1995 geboren
(irre wie die Zeit vergeht). Fragen Sie sich wie man 3 Rassen vermischt ? Nun
die Mutter war eine reinrassige Schäferhund-Rottweiler-Mischung und der Vater
ein Schäferhund-
Sie ist
ein echtes Harzer-Kind denn ihr Geburtsort ist Osterode am Harz.
Ohne
Lena hätte ich niemals auch nur ansatzweise versucht, tiefer in die Hundepsyche
einzudringen oder verstehen zu wollen wie Hunde lernen. Ich war schon immer verrückt
nach Hunden und nachdem meine häusliche Situation endlich die Anschaffung eines
Vierbeiners (Stopp (!) Mimi war schon da) erlaubte, sprang ich sofort auf die
Annonce
Schäferhundgroße Mischlingswelpen abzugeben,
an.
Schon
beim 1. Besuch war es Liebe ! Eine zuckersüßer, dicker (damals dachte ich noch
das muss so sein) 9 Wochen alter Welpe, mit rosa Bauch und Ohren bis auf die
Schultern. Während mir eine ihrer Schwestern gnadenlos die Schuhe und Strümpfe
lochte, saß Klein-Lena geziemlicht auf ihrem Po und leckte inbrünstig meine Hände.
So kam es dann auch nicht zu einem 2. Besuch sondern ich bezahlte den
vereinbarten Preis und hatte einen Hund !!!!! Heute würde ich doch zu einem
intensiveren Auswahlverfahren raten......es sei denn wirkliche, echte, tiefe
Liebe ist im Spiel.
Die
ersten 4 Wochen hatte ich, wie fast alle Hundebesitzer einen folgsamen, anhänglichen
und verschmusten 9 kg schweren Hund bei dem mir permanent das Herz überging.
Dann fingen die Probleme an......
Einige
Geschichten des 1. Terrorjahres können Sie bald unter Lach- und Sachgeschichten
nachlesen.
Ich
stand schnell vor der Wahl finde eine Möglichkeit dem Hund beizubringen was du
willst oder gib auf. Mindestens 30 Mal am Tag hatte ich tiefe Gelüste dieses
kleine Monster zu verhauen, vor die Tür zu setzen oder zur Erziehung
wegzugeben. Das finden Sie übertrieben ? Nun, es war eine wirklich schwere Zeit
und wenn heute Hundebesitzer meinen Rat suchen, kann ich mich sehr schnell
wieder an damalige Zustände erinnern. Nassgepisste Matratzen, angefressene
Stuhl- und Tischbeine, zerkratzte Türen, heruntergerissene Tapete, waren nur
einige wenige Meilensteine in Lenas Karriere.
Im
Grunde wollte ich nur eines, den Hund lieb haben, meine Freizeit mit ihm
verbringen und mich dabei mit ihm vor die Tür trauen, ohne von der Hälfte der
Einwohner gelyncht zu werden. Also begann ich nach Informationen zu suchen. Das
Internet war für mich 1996 leider noch nicht zugänglich, deshalb bestellte ich
mir ein Hundebuch nach dem anderen. Da mein Hund mehrere Rassen vereinigt, waren
auch Bücher über Schäferhund und Rottweiler dabei. Getreu der Anleitung der
Fachmänner und -frauen habe ich dann den Hund auf den Rücken geworfen, im
Nacken geschüttelt, geschimpft und an der Leine geruckt.
Der Erfolg war
umwerfend. Sobald mein Hund die Möglichkeit hatte von mir weg zu kommen, nutzte
sie die Chance und lief weit genug weg um nicht mehr erreichbar zu sein.
Mal ehrlich, kann man ihr das verdenken ?
Ich wette, wenn sie die Möglichkeit
gehabt hätte, ihren Koffer zu packen und auszuziehen, sie hätte es getan. Das
Schlimmste war, ich fühlte mich ganz fürchterlich bei der Rumprobiererei der
verschiedenen Erziehungsmethoden. Einerseits der zunehmende Druck unseres
Umfeldes der mir permanent klar machte, dass ich mir auf der Nase herumtanzen
lasse, ich durchgreifen muss, die Alphaposition einnehmen soll und der Hund nur
eine richtige Tracht Prügel braucht damit er funktioniert, andererseits hatte
ich mir den Hund doch nicht angeschafft um ihn mit Leinenrucken, Würgehalsbändern,
Wurftechniken, Tritten oder Kniffen zu foltern. Es musste einen Weg geben, aber
welchen ?
In
solchen Diskussionen habe ich meinen Hund immer bis auf’s Blut verteidigt,
aber wenn wir alleine waren, saß der Stachel tief. Heut weiß ich, dass mein
Hund einfach „Kind“ war, dass ich ihr hätte die Welt erklären können und
ihr vorhandenes Potential voll ausschöpfen können. Es mag nun der Eindruck
entstehen ich hätte meine arme Süße dauergeprügelt, gestraft und geknechtet
wo ich nur konnte. So war es nicht. Aber ich war streng, sehr streng und
verlangte Dinge die sich nicht leisten konnte, weil sie einfach noch nicht
gelernt hatte was ich einforderte. Ich hatte Dutzende von Büchern gelesen und
auf das Gelesene vertraut. Heute weiß ich, dass ich gar nichts über Hunde und
ihre Bedürfnisse wusste.
3 Spaziergänge pro Tag, Futter, Wasser und eine Bürste,
gepaart mit Liebe und etwas Spielzeug, reichen nicht aus ! Leider kann man die
Zeit nicht zurück drehen. Heute habe ich für mein Verhalten nur eine
Rechtfertigung: Ich habe es nicht besser gewusst.
Das
erste Jahr verging, einige Unarten verloren sich, andere kamen dazu.
Am
schlimmsten war, dass man in Ausnahmesituationen deutlich merkte mein Hund
vertraut mir nicht. Bei solchen Begebenheiten verließ sie sich ausschließlich
auf sich selber und ihren Instinkt und ich muss sagen, sie hat gut daran getan.
Der
Wendepunkt trat ein, als ich 1997 endlich einen Internetzugang bekam und mir plötzlich
ganz neue Informationsquellen offen standen. Ich habe alles, wirklich alles zum
Thema Hund wie ein Schwamm aufgesaugt. Nicht alles gleich am eigenen Hund
auszuprobieren und umzusetzen hatte ich, auf die harte Tour, schon gelernt. Also
sammelte ich Wissen und Erfahrungen anderer und sortierte nachher, was für mich
in Frage kam und was nicht. Und plötzlich stelle ich fest, ich bin nicht
alleine auf der Welt. Es gibt andere Menschen da draußen, die ihre Hunde
ebenfalls lieben und dazu stehen, die sie nicht verhauen, weil es angeblich
nicht anders geht, die auf der Couch und im Schlafzimmer die Hunde bei sich
haben ohne sich um ihre Rangfolge zu kümmern. Es war wie im Schlaraffenland
!!!!
Die Veränderung,
die meine Verhaltensänderung mit sich zog zu beschreiben, würde zu weit führen
(oder ?). Gleichzeitigen mit dem Besuch von verschiedenen Seminaren und
Workshops von verschiedenen Hundefachleuten und dem Austausch im Internet ging
es mit großen Schritten voran. Mit jedem Tag mit dem ICH gelassener wurde, in
dem ICH verstand was der Hund tat und vor allem warum , als ICH genug
Selbstbewusstsein aufbrachte vor meinem Hund zu stehen oder besser, für ihn
gerade zu stehen, brachten endlich den langersehnten Erfolg.
Ganz ohne Schlagen
(manche nennen es „Klaps“), Schimpfen und diverse Foltermethoden die
schlussendlich menschen- und hundeunwürdig sind. ICH habe gelernt wie Hunde
lernen. Wie sie die Welt sehen, welche Bedürfnisse sie haben und Lena dankt es
mir jeden Tag. Es ist unnütz sich darüber den Kopf zu zerbrechen was ICH
falsch gemacht habe, ICH kann es nicht mehr verändern. Aber ich kann weiter
lernen, verstehen und vor allem darf ich endlich mit dem Hund leben und ihn
lieben......so wie er ist.
Heute
leben wir getreu dem Motto, dass sich gottlob immer weiter verbreitet:
„Gewalt
beginnt wo Wissen endet“ !
Lena
wird in diesem Jahr 8 Jahre alt. Ich genieße jede Sekunde und jeden Tag mit
ihr. Es gibt keine Zeit in der sie mir zuviel wird, in der sie mich stört oder
ich mich eingeengt fühle. Ohne sie bin ich nur ein halber Mensch. Ich bin
unendlich dankbar für die vergangene Jahre und dass ich von ihr lernen durfte,
auch wenn es eine zeitlang voll auf ihre Kosten ging. Ich liebe diesen Hund
unendlich. Das glauben sie nicht ? Kommen Sie uns besuchen :)
!
Ich wünsche
mir für Ihre Hunde dasselbe. Hören Sie nicht auf zu lernen, wer nichts mehr
lernt ist tot.